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3.10.26

Blaue Welt


 


Blaue Welt



Geformt ein Gesich 
aus Wellen, 
Relief und aus goldenem Licht 
von künstlicher Hand. 
Um es zu ergründen, 
muss Wasser und Land, 
muss Tag und muss Nacht 
sich noch finden.

Die Haut glänzt, vergoldet, ein Ozeanblau, 
durchwebt leicht mit Tränen 
wie tagfrischer Tau.

Im Blick grünt 
der Sehnsucht eigene Kraft 
und jeder Gedanke 
lässt Träume entstehen, 
eine Welt 
die sich selbst erschafft, 
wo Traumgestalten 
still in den Abend gehen.

Traum und Wirklichkeit 
in der Dämm'rung verschwimmen, 
ein Bild von Ewigkeit, 
belebt von azurenen Stimmen.
 
Lisa Nicolis 

1.10.26

Sandwichmond

 



Sandwichmond



Gibt's mal Sandwichmond, 
wirst du reich belohnt, 
weil des nachts jede Farbe 
am Mond oben wohnt.

Tut er sich mal kund, 
wirst auch du schön bunt, 
für Sekunden bei Wolken, 
bei heiter- 'ne Stund.




Lisa Nicolis

30.9.26

Kopfarchiv

 




Kopfarchiv



Ein Antlitz, wie Stein, 
belebt nur 
vom metallenen Schein. 
Hinter der Maske aus Gold
ein ganzes Leben entrollt.

Im Kopf tickt die Chronik der Zeit, 
gefangen scheinbar in Ewigkeit. 
Verblasste Orte, 
Geschichten und Städte, 
verlorene Worte, 
Ruinen, Bauten, ein alter Palast 
-als trüge die Seele nur Last.

Sehnsucht, beflügelt 
ganz leise, 
geht wie ein Schmetterling 
auf die Reise. 
Ein Hauch von Leben im starren Gestein 
und der Versuch, 
trotz allem, 
doch frei zu sein. 



Lisa Nicolis

29.9.26

Der Mond ist ausgegangen




 




Der Mond ist ausgegangen


Der Mond ist ausgegangen, 
wo nur die Sternlein prangen, 
verlor sich weit im All, 
zeigte sich überall.

Er streifte Galaxien, 
konnt 'nem Quasar entfliehen, 
auch dessen schwarzem Loch. 
Da freute er sich noch.

Doch keiner wollt ihn haben, 
auch nicht mit Gottes Gnaden. 
Freut sich jetzt allemal, 
unter der Sonne Strahl.



Lisa Nicolis

28.9.26

Ruf

 


 

Ruf


Ruf mich,
wenn du mich brauchst. 
 
Brauchst du mich immer,
wenn du mich rufst? 
 
Wenn du mich nicht rufst,
brauchst du mich doch? 
 
Und wenn du mich brauchst,
warum rufst du nicht?


Lisa Nicolis

27.9.26

Seelenbrand


 


Die Stille


Oft ist die Stille Attribut von Leid, 
von aschgetränkter Glut, 
die Worte sucht und sie nicht findet, 
sich nur um Schuld und Buße windet. 

Und wenn die Stille sich verrennt 
in eine Seele, die noch brennt 
und nicht um Hilfe schreien kann, 
was dann? 


Lisa Nicolis

26.9.26

Unvollendet


 es brachte nichts
also vollbringen wir
das unvollbrachte
damit es etwas bringt

 

Lisa Nicolis 

24.9.26

 

Hortensien


Sie rosten vor sich hin, unsre Hortensien im Garten. 
Die Dolden hängen trist und braun, 
nur ein paar Blütenaugen schaun 
sich müde um und warten, 
vielleicht auf Regen, 
auf ein Wunder, 
das kurz vorüber zieht. 

 

Wie ich des nachts, wenn ich im Sterben liege
und morgens mir ein neuer Tag erblüht.
Ach, könnten sie mich fühlen,
wie ich mit ihnen leide,
weil sie sich kaum noch halten,
und weil sie Haltung wahren,
so würdevoll und still.
Und wenn ich mich verneige,
um ihnen so zu danken,
dann für die Schönheit, sommerlang,
im Spiegel meiner Augen-
ihr zartes Farbenspiel.

 

Lisa Nicolis 


22.9.26

Am Fluss


 

Am Fluss


Der Herbst sitzt schweigend neben mir, 
sein Atem streift die kahlen Bäume. 
Im Wasser fließt ein Stück von hier, 
dazwischen treiben meine Träume. 

Die Stadt steht grau am andern Rand, 
als hätte sie mich längst vergessen. 
Vielleicht hat sie mich nie gekannt, 
mich unbewusst nur kurz besessen.

Der Fluss nimmt mit, was gestern war, 
zieht unter müden Brücken weiter. 
Ein Windstoß fährt mir leicht durch's Haar, 
ums Herz wird es mir eh nicht leichter. 

Ich bin alleine und ich seh, 
wie Blätter auf dem Wasser treiben. 
Ihr Gehen keimt in mir ein Weh. 
So Vieles ging, ich muss noch bleiben.


Lisa Nicolis


September

 


 
September 
 

Dem Himmel war kalt, ist in Wolken geschlüpft, 
die Bäume nur ziehen sich aus. 
Ihr blattnacktes Fingerwerk sucht nach dem Blau. 
Man ist wieder gerne zu Haus.

Mit Mantel und Mütze da lonht noch ein Weg, 
der Park birgt doch Schätze zu Hauf. 
Es rauscht bunt wie Abschied beim Schlendern durchs Laub,
 es zieht grauer Regen bald auf.



Lisa Nicolis

21.9.26

Herbstmorgen

 


Herbstmorgen

Immer heller fall’n die Stunden 
in des Morgens kühlen Raum, 
färben birkenbleich, benebelt, 
schon den nahen Waldessaum.

Längs der Pfade flüchten Schatten 
in den blattgeschmückten See. 
Ockern welken Gräsermatten 
und es riecht nach Erdennäh. 
 
 
© Lisa Nicolis