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6.9.26

Musik in mir


 
Die Musik in mir 
 

Ich schließe meine Augen sacht, 
damit die Welt ein wenig schweigt. 
Ein Ton aus stillem Tief erwacht, 
sich durch verborgne Saiten geigt.

Aus mein Erinnern löst sich Klang, 
wird Notenblatt und Melodie, 
zieht wie ein goldner Faden lang 
durch meines Herzens Fantasie.

Die Blumen lauschen, rosenschwer, 
dem Lied, das keine Worte kennt. 
Ein Takt verweht, ein anderer führt, 
was zum Vergessen hin mich trennt.

Und zwischen Blau und Blattgold spinnt 
die Zeit ihr feines Saitenspiel. 
Ich weiß nicht, wo schon Stille rinnt, 
nicht, wo der Klang beginnen will.

Vielleicht sind wir nur Instrument, 
durch das ein fremder Atem zieht, 
bis etwas tief in uns erkennt, 
auch Schweigen ist ganz oft ein Lied.



Lisa Nicolis

Bücher sind wichtig


 

5.9.26

Die Baumfrau

 

 

Die Baumfrau


Aus mir heraus wächst ein Baum, 
verästeln sich auch alte Träume. 
Ich schließ meine Augen kaum, 
verwurzelt schon Zeit meine Räume.

Die Rinde kennt und verschwieg 
schon stets jede Narbe und Namen. 
Und wo die Erinn'rung blieb, 
begannen die Blüten zu atmen.

Mein Haar verlor sich im Wind, 
war Zweig und war Ast, dürre Ranke. 
Und da wir vergänglich sind, 
blüht manchmal nur still ein Gedanke.

Ich steh zwischen Jetzt und Einst, 
bin Frau und bin Baum, golddurchzogen. 
Wenn du mich zerbrochen meinst, 
wird ein neuer Zweig mir geboren.



Lisa Nicolis


30.8.26

Blaue Stunde

 

Blaue Stunde


Ein Schiff, zum Horizont in Lot, 
trägt fremde Träume übers Meer. 
Am End der Welt verglüht ein Rot, 
und alles Ferne lockt noch mehr.

Hoch überm Wasser schweigt das Schloss, 
bewahrt, was längst vergangen scheint. 
Der Wind fegt noch durch Busch und Moos, 
als hätte Zeit darin geweint.

Von irgendwoher drängt ein Zug, 
sein Atem weiß und wolkenschwer. 
Er trägt die Welt in seinem Flug 
von gestern fort-  wohin, woher? 


Und zwischen allem steht die Frau, 
als wäre sie aus Zeit gemacht. 
Im Kleid das tiefe Meeresblau, 
im Blick ein Rest vergangner Nacht.

Vielleicht fuhr einst ihr Schiff davon. 
Vielleicht kam nie der Zug zurück. 
Das Schloss bewahrt noch einen Ton 
von einem längst versäumten Glück.

Doch Abendgold fällt auf ihr Kleid 
und für den Atemzug der Stunde 
ist Einst und Jetzt und Freud und Leid 
nur ein Erinnern, keine Wunde.



Lisa Nicolis

29.8.26

Die Stille

 



Die Stille


Die Stille, die sanft wie Seidentand aus Wolken hängt, 
die Stille, die sich in keinem lauten Wort verfängt, 
die wie der feinste Regen in die Erde dringt 
ist es, die dich auf leichten Schwingen mir
des abends in die Seele bringt.



Lisa Nicolis

27.8.26

Sinnesrauschen



Sinnesrauschen


Als wenn am Riff sich Ozeane schäumten, 
ein Sturm sich paarte mit der Wellen Tosen, 
sich Herztöne mit Kraft dagegen bäumten, 
im Kopf nur Dornen sind, im Herz die Rosen.

Ein Vogel zwitschert irgendwo im Garten,
doch meine Ohren hören auch das Brausen
der Wellen, die schon lang auf Stille warten. 
Die Hirngewinde fluten mich mit Flausen.

Wie viele meiner Sinne irrer Spiele 
birgt wohl mein Geist in seinen Graugeflechten? 
Erlebt hab ich schon, endlos scheinend, viele. 
Wenn sie mir doch nur wieder Freude brächten.


© Lisa Nicolis

25.8.26

Begegnung

 

Begegnung


Aus tiefem Meer bin ich geboren,
in Muscheln, Perlmutt gern verloren.
Nun lausche ich, vom Wind umweht,
was er mir von der Welt erzählt.

Er kam auf wundervoller Weise 
von einer langen Sphärenreise 
aus wolkendüsteren Emporen, 
sei selbst erst kürzlich sturmgeboren.

Wir kommen zwar aus andren Sphären, 
ich bin die Note nur aus Meeren, 
er zieht durch alle Welt im Flug, 
doch jetzt sind wir uns hier genug.


Lisa Nicolis


24.8.26

Das Boot

 

Das Boot


Der Tag hat seine Segel eingezogen,
sein letztes Gold am See, welch Harmonie.
Ein stilles Boot, vom Wasser sanft gewogen,
am Ufer. Doch wohin? Ich weiß es nie. 

Der alte Steg trägt Spuren vieler Schritte,
von manchem Kommen und von manchem Gehn.
Das Wasser nahm sie schweigend in die Mitte
nur alle Ufer blieben ringsum stehn.

Das Boot liegt hier, als könnt es alles wissen
von jedem Ufer, das vorüberzog,
von jenen, die wir irgendwann vermissen,
und manchem Traum, der sich ins Herz uns log.

Ich würde gern noch einmal mit ihm fahren,
ganz ohne Ziel, nur in den Abend rein,
und all das Schöne, das in vielen Jahren
verloren schien, das dürfte nochmal sein.

Doch heute bleib ich still am Ufer stehen.
Der Abend wird so langsam richtig kühl.
Man muss nicht jede Reise selber gehen,
oft reicht einfach die Sehnsucht nach dem Ziel. 


Lisa Nicolis

21.8.26

Einfach nur Bild

 

Einfach nur Bild



Die Grenze zwischen Sein 
und Stein verschwimmt. Du schläfst,
 oder erinnerst du dich grade an ein Wort, 
das dir die Zeit anhalten könnte, 
während das flüssige Karmin 
das längst Vergang'ne überschreibt? 

Du scheinst das Denkmal 
eines Schmerz's zu sein, 
der viel zu schön ist, 
um ihn noch zu heilen.

Lisa Nicolis

20.8.26

Zwischen den Zeiten




Zwischen den Zeiten


Der Abend schüttet Gold aufs stille Wasser,
der Tag wird müd und lehnt sich an die Nacht.
Am Ufer stehen Blumen, immer blasser,
als hätte schon der Frost an sie gedacht.

Noch trägt der See des Sommers Farbenwärme,
der Sonne Strahl im Blau sich schon verliert,
doch über ihm, als käme es von ferne,
schwebt leises Ahnen, dass bald Herbst regiert.

So steh ich still. Die Zeiten dürfen gehen.
Der See bewahrt ihr Kommen und ihr Fliehn.
Und manchmal muss man gar nichts mehr verstehen,
nur bleiben, schauen und mit ihnen ziehn.



Lisa Nicolis