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25.6.26

Schäferstündchen




Schäferstündchen


Im Wiesengrund, wo stille Stunden wohnen, 
und Gold sich in den Abendwolken fängt, 
tanzt noch ein Lachen zwischen Blütenkronen, 
das wie ein alter Traum im Winde hängt.

Ein Schäfer sitzt und lässt die Flöte klingen, 
als spräche sie mit Baum und Wolkenrand, 
während die Schäfchen sich zur Ruhe bringen 
und Frieden weidet über Feld und Land.


Lisa Nicolis


Bilder Art Nouveau







 

Landschaften


Goldenes Land 

Im Abendlicht, so weich und weit, 
verliert die Welt 's Gefühl von Zeit. 
Verträumt das Land, im letzten Schein 
scheint leicht in Gold gehüllt zu sein. 

Die Felder ruhen, satt und schwer, 
keiner verlangt nach Arbeit mehr.. 
So möchte man nur schweigend stehn, 
die Schönheit dieser Stunde sehn.



Lisa Nicolis


22.6.26

Gedankenblitze


Gedankenblitze


1.Ich muss mich in meinem Gedicht zu Hause fühlen.
Es ist wie eine zweite Haut, die nicht jedem gefallen
kann, wie es meine eigentliche Haut auch nicht kann.

2.Wer meine Gedichte nur liest, um sich über die Fehler
darin zu ärgern, der mag das weiterhin tun, ist mir doch
egal. Oder auch nicht, aber jedem das, was er verdient.

3.Wer meine Gedichte ständig nach Versmaßen und
anderem lyrischen Diktat auskundschaftet, den empfinde
ich wie einen Mitmenschen, der zuerst meine Laborwerte
durchsieht, um mich einschätzen zu können. Mein Blut
fließt aber nicht nur durch Kanülen.

4.Wenn ich wie Paul Celan dichten könnte, würde mich
der andere Teil der Menschen nicht lesen.

5.Jetzt der Irrgarten meiner Gedanken:
Zu dem einen sagen die einen, es ist Kitsch, zu dem
anderen sagen sie, das ist genial. Die anderen halten
das andere für Blödsinn und den einen für toll. Der
andere vom dem einen scheint nie richtig zu liegen. Und
wer ist berechtigt, zu entscheiden, wer wie sein Bett macht?

6. Buche ich eine Marsfähre, oder baue ich mir eine Hütte
im Wald? Würde ich gerne alle die fragen, die das Leben
schon hinter sich haben.
Ach ich weiß! Sie würden sagen: zieh nach Dubai. Dort
kann auch mancher die Wüste vor lauter Sand nicht mehr
sehen, doch wenigstens von der 148. aus dem Burj Khalifa.
Aber schwitzen kannst du auch in Berlin. Also, Wald wäre die Option.


Lisa Nicolis
( die jetzt froh ist, keine Followerfunktion zu haben 😁)


21.6.26

Das alte Haus


Das alte Haus


Als sähe ich mich hier im Spiegel, 
ich altes Haus mit den verschloss'nen Türen, 
mit Wunden, und mit Schlieren, 
und mit verschwomm'nen Blick 
nach vorne und zurück.

Mir liegt mein Fühlen tief verwurzelt hier zu Füßen 
und lässt noch bunte Träume in mir sprießen, 
dass sie in Vers und Bild sich frei ergießen, 
so wie es mir gefällt, 
 - in meiner eignen schönen, inn'ren Welt.


Lisa Nicolis

Die Stille

 


Die Stille

Als hätte Stille endlich auch Gestalt
aus Wasser, Blüten, Goldfäden gewebt,
ein blauer Traum aus Nacht, aus Sternenlicht,
ein Anblick für Moment und Ewigkeit.


Lisa Nicolis

20.6.26

Die Hüterin der zwei Zimmer


Die Hüterin der zwei Zimmer


In mir wohnen zwei Welten, die sich kaum kannten.

Ich bin die Hüterin eines Hauses mit zwei Zimmern. 
Im einen wohnen die, die gegangen sind und meine Nächte 
mit warmen Erinnerungen teilen, im anderen die, die geblieben
 sind und deren Nähe mehr schmerzt, als eine Entfernung.

Beide Räume sind erfüllt von Leben, beide von Liebe. 
An die eine klopfe ich gerne an, weil sie mich liebten,
 an die andere nicht mehr, weil ich dachte, 
dass sie mich lieben. Doch sie teilen etwas, 
das mir gehört: den Schmerz.

So wandern nur die Gedanken durch all die Leere, 
die zu groß für Schritte und zu still für Stimmen ist.



Lisa Nicolis

19.6.26

Die Kette



Die Kette


Durch meine Vorfahren hab ich das Leben erreicht. 
Ströme der (Un-) Menschlichkeit, die mich durchfließen, tragen 
das Gen der Vergangenheit und der Kreis wird sich so 
niemals schließen. Mein Sein -ein Echo aus ferner Zeit, 
ein Hauch in der Vergänglichkeit.

Ihre Geschichten kreisen leis mir im Geist. 
In meiner Zelle ruht die Essenz, die millionen 
Jahre schon reist, durch Herz und Blut,
Geschichten von Eis und von Glut. Geschichten 
von Leben, von Kampf und vom Wandel der Zeit, 
von Schmerz, von Liebe und
Leid, von Gefahren und von Beständigkeit.

So weben sich Fäden aus aller Zeit um mich und in mir,
 in Frieden und Streit, noch im Heut. Bin ein Teil eines 
ew' gen Geflechts und Verwebens. Millionen von Ahnen bestimmen
auch jetzt noch ein Teil meines Lebens.



Lisa Nicolis