Diese Stille, die wie Seidentand aus Wolken hängt,
die wie feinster Regen in die Erde dringt,
dich auf leichten Schwingen abends in die Seele. bringt.
Lisa Nicolis
Collagen, die ich erstelle, ohne zu ahnen, wie sie aus sich aufbauenden Gefühlen entstehen, Gedichte, die einfach Gedankenblitze sind. Die Bilder sind mit KI von mir erstellt
Begegnung
Aus tiefem Meer bin ich geboren,
in Muscheln, Perlmutt gern verloren.
Nun lausche ich, vom Wind umweht,
was er mir von der Welt erzählt.
Er kam auf wundervoller Weise
von einer langen Sphärenreise
aus wolkendüsteren Emporen,
sei selbst erst kürzlich sturmgeboren.
Wir kommen zwar aus andren Sphären,
ich bin die Note nur aus Meeren,
er zieht durch alle Welt im Flug,
doch jetzt sind wir uns hier genug.
Lisa Nicolis
Das Boot
Der Tag hat seine Segel eingezogen,
sein letztes Gold am See, welch Harmonie.
Ein stilles Boot, vom Wasser sanft gewogen,
am Ufer. Doch wohin? Ich weiß es nie.
Der alte Steg trägt Spuren vieler Schritte,
von manchem Kommen und von manchem Gehn.
Das Wasser nahm sie schweigend in die Mitte
nur alle Ufer blieben ringsum stehn.
Das Boot liegt hier, als könnt es alles wissen
von jedem Ufer, das vorüberzog,
von jenen, die wir irgendwann vermissen,
und manchem Traum, der sich ins Herz uns log.
Ich würde gern noch einmal mit ihm fahren,
ganz ohne Ziel, nur in den Abend rein,
und all das Schöne, das in vielen Jahren
verloren schien, das dürfte nochmal sein.
Doch heute bleib ich still am Ufer stehen.
Der Abend wird so langsam richtig kühl.
Man muss nicht jede Reise selber gehen,
oft reicht einfach die Sehnsucht nach dem Ziel.
Lisa Nicolis
Schmetterling
Nein, rühr` mich nicht an,
mein Staub färbt leicht ab
wie der Pollen,
mein Flügel wird lahm,
und das wirst du sicher
nicht wollen.
Du schütztest mich einst,
warst Zeuge
der Metamorphose,
auch wenn du jetzt greinst,
ich war eine Raupe
und lose
mit hungriger Gier
an all deinen Zweigen
gehangen.
du hieltest mich hier
mit grüner Verheißung
gefangen.
Es reifte die Zeit,
ich konnte
mein Kriechtum besiegen.
Jetzt bin ich bereit,
als Schmetterling
dir zu entfliegen.
Und- fang mich nicht ein,
versuche mich nicht
zu behüten,
lass frei mich nun sein
und kosten
die farbsüßen Blüten.
Ach, glaube mir schon!
Mein Flügelschlag
wird bald erliegen.
Als neuer Kokon
werd ich ins Gezweige
mich schmiegen.
©Lisa Nicolis (2014)
Dieser Sommer kehrt nie wieder
Der Sommer streut die letzte Hitze
noch einmal über Dach und Stein,
hängt goldnes Licht an Baumesspitze
und glaubt auf ewig da zu sein.
Doch seine Tage werden leiser,
der Abend rückt schon früher vor,
der Wind wird kühler, er wird weiser,
und Herbst steht wartend vor dem Tor.
Nie kehrt genau der Sommer wieder,
der jetzt noch heiß die Straßen säumt.
Ein neuer legt sich auf die Glieder
der Welt, die neue Träume träumt.
Auch ich werd nicht dieselbe bleiben,
die heut in seiner Wärme liegt.
Ein Jahr wird zwischen uns sich treiben,
in dem sich manches dreht und biegt.
Ein neuer Sommer wird erscheinen,
mit einem anderen Gesicht.
Wird hell die Welt in Farben kleiden,
doch mich, wie heut, findet er nicht.
Wir alle werden um was reicher,
was bis dahin durch uns geschieht.
Kein Sommer findet uns je gleicher.
Der Wind nur singt das gleiche Lied.
Lisa Nicolis