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24.10.26

Windgezaubert



Windgezaubert


Aus welchem Garn
hat dich der Wind dahin gewebt,
dir bunte Blätter aufgefädelt,
dir Perlen aufgeweint
und dich wie Illusion
auf müdes Holz gesetzt?

Nur um mich zu entzücken
mit kühl'm Oktoberduft,
bis du dahin rieselst wie Herbst,
der Wind dich noch zum Tanz
durch Wald und Wiesen trägt
und mich bewegt,
dich bildneu zu gestalten
und im Gedicht
dich festzuhalten?


Lisa Nicolis

23.10.26

Urgestein



 

Urgestein


Geformt vom Geist des Weltenraums,
geboren aus dem Stoff des Traums,
zeigt sich hier stumm ein Angesicht,
ursteinern, im metall’nem Licht.

Gebild wie Gold, von Zeit geprägt, 
zerklüftet, es nur Spuren trägt,
wie Pfade, die durchs Dunkel führ'n,
wo fremde Welten sich berühr'n.



Lisa Nicolis

22.10.26

ergänzung

ergänzung

ich hatte so viel gelb und 
wusste nicht wohin damit 
und hatte so viel schwarz
und formte dich daraus 
und ach 
es floss das gelb 
mir fast davon
in dicken tropfen 
bis ich mich 
drin gehüllt
an deine seite malte
damit du sichtbar wirst

lisa nicolis


19.10.26

Das Wolkenmädchen



Das Wolkenmädchen
 

Der Mond- im Wolkenmeer versenkt. 
Schwarm seid'ner Fische, 
der wie'n Traum durch alle Wolken drängt.

An Fäden- Perlen, Sterne, 
ein Leuchten wie Magie 
aus zaubervoller Himmelsferne.

Lauscht Rauschen 
-dieses Wolkenmädchen, 
wenn die Juwelen Fünkchen tauschen.

Im Haar -der Sterne Schein, 
und Muscheln, und es schläft 
sich hier ins Wunder Ewigkeit hinein.

Ist sie des Meeres letzter Kuss? 
Dem Mond der hellste Schein? 
Oder ein Märchen, das man nicht erzählen muss. 
 
 
Lisa Nicolis

17.10.26

Wenn ich zaubern könnte

 


Wenn ich zaubern könnte


Für jede Träne, die ihr weint, 
wär jedem Vater Geist geschenkt, 
damit er nie an Waffen denkt, 
nicht Grenzen baut, 
Nachbarn vereint. 
Dass er der Wut den Rücken kehrt, 
dem eignen Blut Frieden beschert.

Ich schenkte euren Müttern Korn, 
für frisches Brot aus eigner Hand 
und ruhige Zeit im ganzen Land, 
befreit von Kummer 
und von Zorn. 
Dass Duft das Haus mit Wärme füllt 
und sich die Angst in Hoffnung hüllt.

Damit ihr Kinder dieser Welt, 
in Freiheit eure Kindheit lebt, 
wo keine Welt in Trümmern bebt 
und auch der Frieden 
ewig hält. 
Ein Leben, unbeschwert und frei 
-und alle Tränen wär'n vorbei.



Lisa Nicolis


15.10.26

Birkenwald

 

Birkenwald



Die Birken haben würdevoll 
den Sommer abgelegt, 
die weißen Stämme leuchten nur konstant 
und paar vergessne Blätter, 
einfach so vom Wind bewegt, 
noch sonnen sich im herbstdurchwobnen Land.

Kopfüber steht der Hain 
im nahen Wasser und er zieht 
'ne Weile mit und springt von Stein zu Stein 
und träumt von einem neuen Jahr, 
das wieder grünt und blüht 
und er wird hier aufs Neu am Rauschen sein.

Es wird der Bach noch viele Wasser 
tragen und ganz bald 
wird auch der Frost verweilen hier im Hain. 
Doch selbst im Frost kehrt Hoffnung 
still und unaufhaltsam ein- 
in jedem Ende wird ein Anfang sein.




Lisa Nicolis



14.10.26

Im Dämmerschein

 
 
Im Dämmerschein 



Im zarten Dämmern verborgen, 
wo der Tag sich verliert, 
schwebt ein Traum später Rosen, 
vom Flügelschlag 
flatternder Psyche berührt. 
 
Sie umtanzt all das Blühen, 
die duftige Pracht, 
als trügen die Schwingen 
schon Sterne der Nacht,  
verwebt mit dem Dunkel und Licht.
  
Durch all diese Stille
 'ne Tauperle bricht, 
eine Nachtigall leis vor sich klagt 
und eine Rose 
die andere fragt: 
ach, Schwester, 
du schläfst auch noch nicht? 
 
 
Lisa Nicolis 

10.10.26

Oktobertag

 



Oktobertag


Die Augen trüb,  
sonst säh ich auch 
die Stämme beben  

unter dem Kronenschaukeln,
Ästewiegen.

Und unterm Blattgewirbel, 
manche schon entschweben,

schmetterlingsgaukelnd, 

zu Staub zuerst und Ende  
und werden still tönerne Hände, 
die unsre Erde und das Leben halten, 
sie nähren 
und sie neu gestalten.

Und was sich hier im Winde  
windet heut,  
ist Zeit, 
ist Kreislauf 
ist die Ewigkeit.




Lisa Nicolis

9.10.26

Oktober


 

Oktober


In Brauntönen schweben 
Gedanken mir zu 
aus den Bäumen. 
Oktober setzt bunt sich 
in allen Verstecken nun fest. 
Das Blechschaf 
wird heut noch 
die Wildblumenwiese räumen, 
der Herbst baut in sonnmüden Ästen 
sein dürftiges Nest.

Und irgendwann sind sie geplündert, 
die herrlichen Kronen. 
Die Blicke nun greifen so blattfrei 
und ängstlich hinaus, 
wo lautlos des Sommers 
verborgene Restwelten thronen 
und wo bald in Allem der Winter 
sich sucht ein besinnlich Zuhaus.



Lisa Nicolis

Blätterfall

 



Blätterfall


Es scheint sich müd und schwer zu wiegen, 
im Wind, 
des Hofs buntes Geäst 
und hinter seinem Wanken, Biegen 
die Ferne sich schon ahnen lässt.

Wie sie sich anrühren, bewegen, 
vieltausendfach getönt 
in gelb und grün, 
und wie sie fliegen 
ganz sanft dahin 
und andre sind, 
noch eng und angstvoll, 
auf dem Ast geblieben.

Sie sind wie wir, 
die einen wollen frei 
ins Weite ziehen, 
die andren hier gemeinsam 
Heimat spüren, 
doch, wie der Wind, 
wird immer auch das Schicksal führen.



Lisa Nicolis

7.10.26

Herbstliches


 

Herbstliches 


Der Herbst hat Gold ins müde Laub geschrieben, 
hat sich den Tagen sorglos anvertraut,
genießt, was von dem Sommer ist geblieben, 
sät Wind, der gern um alle Ecken schaut.

Die Birken stehn im fahlen Licht verloren,
als lauschten sie ihm leise fröstelnd zu.
Ein Blatt scheint sich den Eigensinn erkoren,
tanzt durch die Luft und gönnt sich keine Ruh.

Oktobern glüht die Welt in bunten Farben,
noch taucht der Tag uns gern in Farb und Licht,
als wollte er die Gegenwart bewahren
doch Wort halten, das kann er leider nicht.

Im Bach verrinnt der Himmel, Baum und Reigen, 
er trägt sie mit, man weiß es nicht wohin. 
So winkt der Hain mit windumwognen Zweigen 
und sieht in allem Ende den Beginn.




Lisa Nicolis