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29.9.26

Der Mond ist ausgegangen




 




Der Mond ist ausgegangen


Der Mond ist ausgegangen, 
wo nur die Sternlein prangen, 
verlor sich weit im All, 
zeigte sich überall.

Er streifte Galaxien, 
konnt 'nem Quasar entfliehen, 
auch dessen schwarzem Loch. 
Da freute er sich noch.

Doch keiner wollt ihn haben, 
auch nicht mit Gottes Gnaden. 
Freut sich jetzt allemal, 
unter der Sonne Strahl.



Lisa Nicolis

28.9.26

Ruf

 


 

Ruf


Ruf mich,
wenn du mich brauchst. 
 
Brauchst du mich immer,
wenn du mich rufst? 
 
Wenn du mich nicht rufst,
brauchst du mich doch? 
 
Und wenn du mich brauchst,
warum rufst du nicht?


Lisa Nicolis

27.9.26

Seelenbrand


 


Die Stille


Oft ist die Stille Attribut von Leid, 
von aschgetränkter Glut, 
die Worte sucht und sie nicht findet, 
sich nur um Schuld und Buße windet. 

Und wenn die Stille sich verrennt 
in eine Seele, die noch brennt 
und nicht um Hilfe schreien kann, 
was dann? 


Lisa Nicolis

26.9.26

Unvollendet


 es brachte nichts
also vollbringen wir
das unvollbrachte
damit es etwas bringt

 

Lisa Nicolis 

24.9.26

 

Hortensien


Sie rosten vor sich hin, unsre Hortensien im Garten. 
Die Dolden hängen trist und braun, 
nur ein paar Blütenaugen schaun 
sich müde um und warten, 
vielleicht auf Regen, 
auf ein Wunder, 
das kurz vorüber zieht. 

 

Wie ich des nachts, wenn ich im Sterben liege
und morgens mir ein neuer Tag erblüht.
Ach, könnten sie mich fühlen,
wie ich mit ihnen leide,
weil sie sich kaum noch halten,
und weil sie Haltung wahren,
so würdevoll und still.
Und wenn ich mich verneige,
um ihnen so zu danken,
dann für die Schönheit, sommerlang,
im Spiegel meiner Augen-
ihr zartes Farbenspiel.

 

Lisa Nicolis 


22.9.26

Am Fluss


 

Am Fluss


Der Herbst sitzt schweigend neben mir, 
sein Atem streift die kahlen Bäume. 
Im Wasser fließt ein Stück von hier, 
dazwischen treiben meine Träume. 

Die Stadt steht grau am andern Rand, 
als hätte sie mich längst vergessen. 
Vielleicht hat sie mich nie gekannt, 
mich unbewusst nur kurz besessen.

Der Fluss nimmt mit, was gestern war, 
zieht unter müden Brücken weiter. 
Ein Windstoß fährt mir leicht durch's Haar, 
ums Herz wird es mir eh nicht leichter. 

Ich bin alleine und ich seh, 
wie Blätter auf dem Wasser treiben. 
Ihr Gehen keimt in mir ein Weh. 
So Vieles ging, ich muss noch bleiben.


Lisa Nicolis


September

 


 
September 
 

Dem Himmel war kalt, ist in Wolken geschlüpft, 
die Bäume nur ziehen sich aus. 
Ihr blattnacktes Fingerwerk sucht nach dem Blau. 
Man ist wieder gerne zu Haus.

Mit Mantel und Mütze da lonht noch ein Weg, 
der Park birgt doch Schätze zu Hauf. 
Es rauscht bunt wie Abschied beim Schlendern durchs Laub,
 es zieht grauer Regen bald auf.



Lisa Nicolis

21.9.26

Herbstmorgen

 


Herbstmorgen

Immer heller fall’n die Stunden 
in des Morgens kühlen Raum, 
färben birkenbleich, benebelt, 
schon den nahen Waldessaum.

Längs der Pfade flüchten Schatten 
in den blattgeschmückten See. 
Ockern welken Gräsermatten 
und es riecht nach Erdennäh. 
 
 
© Lisa Nicolis

20.9.26

Innenstadt



Innenstadt


Schon wieder denk ich mir ein Loch in meinen Kopf, 
so taucht nun diese Stadt da drinnen auf. 
Nicht irgendeine. 
Meine.

Hinter den Augen stehen all die Häuser, 
in denen längst schon niemand wohnt 
und trotzdem geht ein Licht hier abends an, 
ohne dass ich es rufe.

Es führt von Gestern eine Straße 
durch meine Wangen quer. 
Sie hat längst keinen Namen mehr, 
doch kenn ich jede Stufe.

Ich steige oft hinunter 
hin zu mir, 
vorbei an mancher Tür, 
die ich nicht öffne, 
vorbei am Fenster, 
hinter dem ich sitze, 
ganz jung und ahnungslos, 
mit beiden Händen voller Zukunft.

So seltsam, 
wie viel Vergangenheit 
in einen Menschen passt. 
Von außen sieht man nur das statische Gesicht. 
Doch innen fließt noch immer Leben.

Und irgendwo, 
ganz hinten, 
brennt ein Licht.



Lisa Nicolis



19.9.26

Ich war schon mal da


Ich war schon mal da


Ich wollte dich schon löschen,
du bunte, kleine Welt.
Was soll'n die blauen Pilze,
und dieses Märchenzelt?

Was soll ich mit den Feen,
mit Schloss und Flügelschlag?
Die Kindheit liegt so ferne,
seit manchem langen Tag.

Doch plötzlich war da etwas,
das leise in mir sprach,
als würd aus fernen Tagen
mein Kindsein wieder wach.

Ich kannte diese Orte,
den Wald, das fremde Licht,
vergaß nur alle Wege
und dacht', ich brauch sie nicht.

Vielleicht geht nichts verloren
von dem, was einmal war.
Es schläft nur unter Jahren,
ganz still und unsichtbar.

Ein Blick in all die Bilder, 
der Zauber rückt so nah. 
Heut ist mal eben gestern
und ich bin wieder da. 

 

Lisa Nicolis 

18.9.26

Splittergesichter


 

Splittergesichter 
 

Jeder hat mehr als ein Gesicht,
keines davon ist gelogen.

Eins aus dem Heute, 
eins blieb im Gestern zurück, 
ein anderes entscheidet, 
ob es morgen noch werden will.

Sie liegen übereinander wie Glas, 
durchschimmern sich selber.

Wir sind manchmal blaue Tage und 
sind goldene Stunden, 
doch niemals ein Ganzes.

Wir sind Widersprüche
aus Materie und Atem,
aus Erinnerung und Vergessen.

Sind nur Mosaik im Werden, 
Gesicht aus Licht und Schatten, 
aus Splittern, aus Stücken, 
die ihren Platz suchen.
 
Und hinter unseren Augen
dreht die Zeit ihre stillen Räder. 


Lisa Nicolis

17.9.26

Feenwelt


 

Feenwelt

Es hängt noch Gold des Abends in den Bäumen,
der Mond versilbert seine Himmelsbahn.
Der Abend webt schon an den schönsten Träumen, 
das Hasten hält jetzt kurz den Atem an.

Im Schein des Mondes fahl und wie verloren ,
hebt sie sich ab vom abendfinstern Raum.
Ein Wesen, zart, aus Licht und Traum geboren,
schwebt einsam über Ranken, Ast und Baum.

Die Flügel zittern fein wie Spinnenweben.
Der Horizont brennt immer noch in Gold, 
im Wind ein kühles, leises, sanftes Beben,
als hätten sie ihr grad Tribut gezollt.

Ein Schatten nur ist sie im hellen Schein, 
inmitten von Geäst, von Welt und Nacht
und doch könnte sie Hüterin hier sein,
hält für uns alle treue, stille Wacht. 
 
 
Lisa Nicolis