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25.7.26

Sturmesohne



Sturmesohne


Ich wohne, seit ich wohne, 
schon immer sturmesohne. 
Berlin, nah am ersaufen 
-ich müsst den Sturm mir kaufen! 

Er lässt uns gern links liegen, 
um mehr zentral zu fliegen, 
beginnt, kann man dann sehen, 
'ne Baumallee zu mähen.
 
Dann auch der ganze Schaden: 
'ne Menge Autos baden 
in mancher Unterführung. 
Und Nachricht gibt's mit Rührung.

Bei uns -ein fernes Grollen, 
man möcht 'nen Sturm gern wollen. 
Doch scheint's, zu dieser Stunde 
macht er in Britz die Runde.

Ich bitte euch, seit Jahren 
schon ohne Sturmgefahren... 
Da möchte man schon bitten, 
lass krachen es und schütten!

Obwohl... 
den Ahorns und den Eschen 
möcht ich nicht zuseh'n, 
wie sie brechen 
und bleibe da, 
wo ich jetzt wohne, 
halt sturmesohne.


Lisa Nicolis
 
 
"sturmesohne" soll nächstens das Wort des Jahres werden und 
die Dudenisten... Dudisten... also die von Duden dudeln noch,
 ob das Wort da denn dudenfähig ist zum Indudenlieren,
damit es jeder dudenzifizieren kann. 

24.7.26

das Erinnern


das Erinnern


ich schwebe heut 
im Zwielicht ferner Welten 
mit den verstreuten Farbtupfern 
eines Remembers

der nächste Augenblick 
wird dann 
auch spurenlos 
entschwinden

weil drin kein Lächeln steckt 
oder ein Wimpernschlag 
über ein mich spiegelndes Auge 

und nicht die Sehnsucht 
nach mehr Nähe

was jetzt geschieht 
ist eigentlich 
schon längst geschehen 

ich merk es erst 
wenn ich es 
im Erinnern wieder finde 

und all die Narben 
tausendfach erfühle


Lisa Nicolis

23.7.26

Kopfsache

 


Ich fünfundachzigjährige mich hier durch manche Verse,
ich altersschwächele mich tapfer durchs Gedicht 
und vielwenigerjährige Diverse,
halten -warum auch immer,  freundlich mit mir Schritt.

Danke für den Besuch!
 
Lisa Nicolis 

Dada-wand(al)ismus mit Doppelvau



Ö kitsch Dada zer kus


Schi agli ö Tötün ha dedem, 
his Trutrö, egh huss joji strent 
ers egg ogh tennen brtz uz otzgen. 
His Trutrö egh nam dada frent.

Ad strt arch susun Tschippschipp gagen, 
urn hight shis gus unn grah tschitsch an. 
Schi bab ne otze Lal uz otzgen, 
hahaman, dada, ers trantran.


Lisa Nicolis

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Dada muss auch mal sein


Ich wollte ein Gedicht mal schreiben, 
mit Wörtern, die noch niemand kennt 
und die auch keinem sind zu eigen. 
Mit Wörtern, die man dada nennt.

Da wird mancheiner 'n Vogel zeigen, 
nur geht mich das jetzt gar nichts an. 
Ich hab 'ne eig'ne Sprach zu eigen, 
verpeilt, dada und auch profan.


Lisa Nicolis



22.7.26

Wetterversus

 


Wetterversus


Kein Sommer ist es und kein Herbst 
und Winter wird's vielleicht noch sein, 
wenn du die Landschaft selber färbst, 
das Wetter schafft es nicht allein. 

Vor kurzem gab es 40 Grad, 
jetzt ist es herbstlich temperiert, 
frier ich jetzt, wär es jammerschad, 
wenn auch der See zur Rutschbahn friert. 

Taktwechsel:

Der Mensch, der liebe Gott, das Wetter 
wer alles hat die Hand im Spiel? 
Hat er..., wird er..., vor allem hätt' er...? 
Das hier ergründen, wär zu viel.

Ich bin nicht Meteor- philosophin, 
hab keinen klugen Wetterplan, 
kein Klimaschutzprogramm für da- und dorthin. 
Ich zieh mir jetzt die Socken an.



Lisa Nicolis


21.7.26

Ich möcht


 
 
Ich möcht



Ich möcht so gern an einem Bach 
das Rauschen,
den klaren Sprung von Stein zu Stein 
belauschen
und so mein Sinnesrauschen 
übertönen,
den müden Ton des Alltags 
neu verschönen.


© Lisa Nicolis

20.7.26

Nachbarschaftsstreit


Nachbarschaftstreit


"Den Sonnenaufgang seh ich nicht,
so sehr ich mich ins Zeug auch leg.
Ich hätte morgens gern mehr Licht,
doch steht mir stets dein Dach im Weg."

"Ich sehe gern der Sonne nach,
wenn sie des abends untergeht,
doch leider ist's dein blödes Dach,
das immerzu dazwischen steht." 

Geht man dem Grund des Streites nach,
doch klar: der Schaden ist's am Dach.


Lisa Nicolis

19.7.26

Kinderlachen

 


Kinderlachen


Den schönsten Klang der Welt 
lacht dir ein Kind entgegen, 
Es braucht nur seiner Stimme Ton, 
dich zu bewegen. 
Und gibt es Schöneres, 
als Licht in Kinderaugen, 
die staunend sich 
an Wundern clever saugen?


Lisa Nicolis


18.7.26

Autoironie mit dingdong


 Dingdong


Ding, dong. Das könnte heller klingeln, aber meine Klingel klingt wie ein geknebelter Türsteher. Und da ich keinen Türöffner habe, muss ich wieder per Sprechanlage Bescheid sagen, dass ich gleich unten bin, um selber zu öffnen. 
Unten quasselt einer etwas in den Hörer rauf, von dem ich aber nichts verstehe, da sich eine Menge Konsonanten im Kabelwirrwarr verirren.
Ich spute mich und ärgere mich wieder, dass ich wahrscheinlich die einzige Mieterin in ganz Berlin bin, und vielleicht deutschlandweit, die keinen Türöffner hat. Also hechle ich zum Fahrstuhl und flehe alle guten Geister des Fahrstuhlschachtes an, mir den Fahrstuhl sofort heraufzuschicken. Ich bin dann in Weltrekordzeit an der Haustür und öffne dem aufgebrachten Paketboten die Tür. 
Er erklärt mir etwas mit schriller Stimme, das deutsch klingeln soll, aber es ist etwas anderes und ich muss raten, was er sagt. Und ich rate, dass er ein sehr beschäftigter Mensch ist und keine Zeit hätte, wegen eines Minipäckchens, solange an der Tür zu stehen.
Ich weiß nicht, was er verstehen würde, wenn ich ihm erklären würde, dass er, falls ich einen Türöffner gehabt hätte und die Tür geöffnet hätte, er die Treppen hinauflaufen hätte müssen, oder auch auf den Fahrstuhl hätte warten müssen und dann auch selbstverständlich wieder die Treppen, oder den lahmen Fahrstuhl zurück hätte nehmen müssen und die gleiche Zeit verprasst hätte wie die, die er an der verschlossenen Tür als vergeudet empfunden hatte.
Meine Relativitätstheorie kann ich nicht an den Mann bringen, besser gesagt an den Jüngling, denn er ist ja sehr bestrebt davon zu streben und so lasse ich die drei Euro Trinkgeld mit Rachegelüsten in meiner Westentasche verschwinden.
Der Mini Ventilator hat eine Gebrauchsanweisung in Chinesisch. 
Ich hätte den Paketboten auf einen Kaffee einladen sollen.


Lisa Nicolis

Verlorenes Leben


 
Verlorenes Leben 


Vom Leben gezeichnet, 
im Schatten der Zeit, 
bröckelt hier aller Wille, die Kraft, 
auch schon bereit, in den fruchtlosen 
Boden der Wirklichkeit, 
zu wurzelt die Hoffnungslosigkeit.

Von Staub und von Sehnsucht getragen, 
ein Halt nur das Ding in der Hand 
und der Kumpel  
 -gibts da noch viel zu sagen? 
Erinn'rung an Vater und Land?



Lisa Nicolis

16.7.26

Ein selbstgebasteltes Bild hat Sam zum Leben erweckt

Nur aus einem offnen Buch weiten sich Wege,

 die dich die Horizonte sehen lassen, 

die die Wirklichkeit oft verbirgt.