19.10.2021

sturmtief


mein inneres dunkelt
so teil ich die wolken
und heb mir
die sonne zum mund

ich trinke das licht
ich trage es rein
in den regen der 
am seelendach
gnadenlos hämmert

drin im versteck
flattern vögel
ein schweigen sich zu
und ich schweig mich
zu ihnen

bei licht im herzen
bis hin zum wettersturz
zwitschern wir lieder
selbst die wolken
kuscheln im flug

irgendwann
ruhst auch du
sturm
und wir flügeln
in ein anderes schweigen
 
Lisa Nicolis



 

15.10.2021

Ein schönes Wochenende dir


Kreise
 
Durchtrennt
die Zeit,
durchsägt
von der sonnigen Scheibe.
Die Nacht überrollt
vom Rad
der flüchtenden Erde.
Der Tag,
aus dem All
gebrochen, von
Horizont zu Horizont.


Jeder Morgen
im nächsten Segment
der Umlaufbahn.
Jeden Tag
dieselben Kreise.
Jede Nacht
das gleiche Ende
in der Milchbrühe
der Sonnenstrasse
und der gleiche
Anfang.


© Lisa Nicolis

13.10.2021

Ist Schweigen Gold?

 
Worte
Wortschleuder
schleuderst Gehabe
Gehabe wirkt
wirkt beizig
beizig und leer
leer die Worte
Worte

Worte
Wortkümmerlinge
kümmerliches Schweigen
schweigst zu laut
lauter als Worte
Wortschleuder
schleudere wieder
Widerworte
Worte

 

Lisa Nicolis

 

06.10.2021

Oktober

Halbherzig streift,
oktobernbunt,
der Sonnentag durch meine Straßen.
Die Schatten drängeln kalt
über das Zufallslicht,
das aus den Wolken bricht.

Als wäre er sich nicht genug,
legt sich der Herbst köpfüber
in des Sees Gespiegel,
oder er treibt zerpflückt
über das löcherige Pflaster.
Im Innersten
welkt selbst das Jetzt mit Wehmut
in das längst Vergessene.

 ©Lisa Nicolis

24.09.2021

Windböen


Windfinger klopfen an Scheiben,
rütteln an herbstmüden Bäumen,
wecken mich aus meinen Träumen,
um mich im Geist mit zu treiben.
 
Himmelslicht blitzt aus der Ferne.
Kalt, und schon länger, die Nächte
irren durch Nebelgeflechte
längst schon erloschener Sterne.
 
Lausche ins nächtliche Toben,
ängstlich verschleiert die Blicke.
Baue mit Demut die Brücke
zu einer Stille von oben.
 
© Lisa Nicolis