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16.6.26

Gepflücktes sein



Gepflücktes Sein


Als hätt der Tag noch diesen Strauß gepflückt,
der fiel ihm aus dem abendmüden Händen.
Die Dämmerung berührt ihn ganz entzückt,
um all die Farben in den Wind zu senden.

Mit rot betupft sie's Gold der Abendstunden,
das Blau haucht sie in alle Fernen hin,
das Weiß der Margeriten ist im Dunkeln
wie einer hellen Sehnsucht leicht getrübter Sinn.

Der Rest der Farben sickert in die Erde,
sie welken rein bis in das nächste Jahr
und werden Feld, damit es wieder werde,
wie es auf dieser schönen Welt schon immer war.



Lisa Nicolis

15.6.26

Das Heutebild


Das Heutebild


Ich will dir hier ein kleines Bildchen zeigen.
Die Farbenpracht ist ihm wohl nicht zu eigen
und es erzählt auch keine Heldensagen,
lässt sich von Schlichtheit und von Würde tragen.

Es schenk dir ein paar Steine und um jeden,
zur Freude noch, paar zarte, gold'ne Fäden,
damit kannst du die Blumen leicht verbinden.
Wenn du sie suchst, kannst du sie sicher finden.

Es zeigt 'nen großen Riss im großen Ganzen,
paar Wellen übers Nichts leichtfüßig tanzen.
Weckt, hoffe ich doch etwas Poesie
in deiner so brillanten Fantasie.


Lisa Nicolis

13.6.26

In der Puszta


In der Puszta


In die Stille eingebettet
wiegen sich die goldnen Ähren
und am Fluss, an Pfahl gekettet,
schaukeln gluckernd alte Fähren.

Kornblumen sich blau verirren
in der Halme sonn’gen Schimmer
und Libellen friedlich schwirren
durch des Mittags Lichtgeflimmer.

In der Schwüle, ganz benommen,
gähnt der Mohn in müden Flammen.
In der Ferne, leicht verschwommen,
fließen Himmel, Erd’ zusammen.

Überm Fluss dringt leises Lachen
und verliert sich in den Weiden,
die den Steg kühl überdachen,
wie im ewiglichen Leiden.

”Böser Mann! Bist du durchtrieben!
Sollst das Boot ans Ufer bringen!”
”Wenn wir uns dort feurig lieben,
könnt die Glut das Land verschlingen!”


Lis Nicolis

 


12.6.26

Träumender Junge


Träumender Junge

Aus meinem Bild fließt nun das Meer,
es gibt auch keine Wände mehr.
Die Schiffe aus Papier, ganz leicht,
segeln dorthin, wo's Träumen reicht.

Ich schaue gern dem Treiben nach,
die Welt wird weit, das Zimmer wach.
Und ist der Horizont noch fern,
die Fantasie erreicht ihn gern.

Hätte ich nicht des Träumens Kraft,
die Wunder aus dem Alltag schafft,
dann blieben meine Schiffe hier
und fänden nie den Weg zu dir.


Lisa Nicolis

 

11.6.26

Mohnblumen


Mohnblumen

Der alte Rahmen hing im Dunkeln schwer,
als trüge er sich müd ans Wunderbare,
denn hinter seinem Gold begann das Meer
des Mohns. Schon aufgelöst im Lauf der Jahre,

fließen die Blüten sanft hinaus ins Land.
Das Dasein neu gestalten ist ihr Wille,
fliessen aus diesem strengen alten Rand,
vergessend all die aufgemalte Stille.

Verlaufen sich im Gras, ins Feld hinein
und färben all die Fluren wärmer, bunter.
Das alte Bild, das hängt nun ganz allein,
so hänge ich den Rahmen wieder runter.


Lisa Nicolis


Dunkle Stunden



Dunkle Stunden


Vergangenheit hat so viel Raum,
an Zukunft will sich kein Gedanke finden,
und so kann sich mein Leben kaum
an meine Gegenwart noch binden.

Vergangenes hat sich entfernt,
die Trauer ist nur so präsent geblieben,
auch hat sich jeder Wunsch entkernt,
der Zukunft Bausubstanz zu schmieden.

Mag sein, es ist 'ne dunkle Zeit
und morgen traut das Wort ganz andren Wegen,
ich bin für Änderung bereit,
komm von der Traufe in den Regen.


Lisa Nicolis

Meine Gedichte sind oft nur an die Bilder gebunden, nur wenig ich selbst.

10.6.26

Warnungen

 


Warnungen

Gut gemeinte Warnungen sind oft
nur Vorräte für den späteren Triumph:
„Ich habe es dir gesagt!“
Man legt sie ab wie einen Beweis
für die eigene Weitsicht.
Doch jeder trägt sein Unglück
wie eine heimliche Verabredung in sich,
geht ihm entgegen,
willig. eigenwillig, freiwillig
und manchmal sogar mit offenen Augen.
Wie man einem vertrauten alten Haus entgegen geht.
Keine Warnung hält auf,
was erlebt werden will,
soll, oder muss.
Am Ende bleibt dem einen sein Recht behalten,
dem anderen seine Erfahrung.
Und nicht immer ist man gerne die, die Recht hatte.


Lisa Nicolis

9.6.26

Vom Gedichte schreiben



Vom Gedichte schreiben

Ich möchte nicht Gedichte schreiben.
Wozu? Sie werden nicht gelesen.
Geschichten schreiben kann sich lohnen
von Zauberern, von Fabelwesen,
von Krieg und von verkappten Drohnen.
Auch allemal vom heil'gen Gral
und von Vampiren.
Dann wirst du spüren, wie sich die Massen
um dich drängen und dich hofieren.
Ich bin es nicht, die nach den Reimen sucht,
die Reime suchen mich zu später Stunde,
nur ist der Zufall nicht allein verrucht,
kann sein, Euterpe ist auch mit im Bunde.
Doch ist für follower allein wohl nie,
Euterpe eine Garantie.


Lisa Nicolis


                           

8.6.26

Zum Abend hin


 

Zum Abend hin

Die weiten Fluren atmen still und schwer,
ein leichter Schein ruht auf den müden Gräsern,
als trüge jeder Halm ein Sehnen mehr
nach frischen himmlischen Gewässern.

Ein Vogel schwebt diffus im fahlen Blau,
als suchte er 'nen Weg auf seinen Runden,
und aus den Gärten steigt, so lind und lau,
ein Duft, an längst vergess'ner Zeit gebunden.

Da wird mein Herz, das oft ganz lautlos ruht,
von einer leisen, tiefen Freud getroffen,
als wäre etwas, das mich einst mit Mut
in dieser Welt erfüllte, wieder offen.

Und über allem wächst ein stiller Sinn,
der tröstend mich in seine Arme nimmt,
als wär ich nur ein kleines Lied darin,
das kommt und geht und leis dazwischen singt.
 


Lisa Nicolis




Das Wort zum Montag

 Da hat die Frau Doktor ein wenig an meinem Auge herumgelasert, nur so ein
 wenig, weil ich mein Auge nicht richtig öffnen konnte. Hätte man erwarten
 können, dass eine Frau Doktor das Auge mit irgend einem Gerät offen halten
 kann , was nicht der Fall war. Und weil ich mein Auge nicht weiter aufreißen
 konnte, wurde eben nur ein Teil gelasert. Schlamperei würde ich es nennen,
 die Frau Doktor meinte aber, dass ich nicht mitmachen wollte.
 Immerhin kann ich mal wieder mein Geschreibsel einigermaßen sehen.
 Und was ich sehe, ist leider nicht das, was ich sehen möchte. Ich war schon in
 Versuchung, nicht das erste Mal, den Blog zu löschen, denn zu viele Fehler
 sind da überall. Die Gedichte müsste ich alle wieder unter die Lupe nehmen.
 Die sind alle nicht“ ausgereift“. Wäre aber noch immer viel zu anstrengend.
 Ich lasse es mal so stehen, ist ja nur meine kleine Sünde, nichts   weltbewegendes.


7.6.26

Die Uhr


 

Die Uhr

Stell dir vor, dass heut die Engel
einfach sonntäglich nicht ruh'n,
weil sie scheinbar nichts Gescheites,
aber immerhin was tun.

Kurz der täglich Pflicht entflohen,
fliegen sie, so wie im Sturm,
mit Engelsmienen, immerfrohen,
auf den nahen Kirchenturm.

Können einfach nicht verstehen,
warum sich der Zeiger dreht
und warum die Menschen glauben,
es sei früh oder zu spät.

Auch die Ewigkeit haucht leise,
ewig fremd dem Zeitenlauf:
„Stoppt des Zeigers öde Kreise,
hebt das strenge Taktwerk auf.“

"Keine Zeiger soll'n sich drehen,“
ordnet sie behäbig an,
"auch die inn're Uhr bleibt stehen,
Montag ist sie wieder dran.

Menschen suchen in den Stunden
Trost und Ordnung, Maß und Ziel,
doch was ewig ist, bekunden
weder Maß, noch flüchtig Spiel."


Lisa Nicolis




Das Bild gehört zur Serie (von mir generierter Bilder
"Engel")
 auf einem anderen Blog:

                 

https://silbenblueten.blogspot.com