.

27.8.26

Sinnesrauschen



Sinnesrauschen


Als wenn am Riff sich Ozeane schäumten, 
ein Sturm sich paarte mit der Wellen Tosen, 
sich Herztöne mit Kraft dagegen bäumten, 
im Kopf nur Dornen sind, im Herz die Rosen.

Ein Vogel zwitschert irgendwo im Garten,
doch meine Ohren hören auch das Brausen
der Wellen, die schon lang auf Stille warten. 
Die Hirngewinde fluten mich mit Flausen.

Wie viele meiner Sinne irrer Spiele 
birgt wohl mein Geist in seinen Graugeflechten? 
Erlebt hab ich schon, endlos scheinend, viele. 
Wenn sie mir doch nur wieder Freude brächten.


© Lisa Nicolis

25.8.26

Begegnung

 

Begegnung


Aus tiefem Meer bin ich geboren,
in Muscheln, Perlmutt gern verloren.
Nun lausche ich, vom Wind umweht,
was er mir von der Welt erzählt.

Er kam auf wundervoller Weise 
von einer langen Sphärenreise 
aus wolkendüsteren Emporen, 
sei selbst erst kürzlich sturmgeboren.

Wir kommen zwar aus andren Sphären, 
ich bin die Note nur aus Meeren, 
er zieht durch alle Welt im Flug, 
doch jetzt sind wir uns hier genug.


Lisa Nicolis


24.8.26

Das Boot

 

Das Boot


Der Tag hat seine Segel eingezogen,
sein letztes Gold am See, welch Harmonie.
Ein stilles Boot, vom Wasser sanft gewogen,
am Ufer. Doch wohin? Ich weiß es nie. 

Der alte Steg trägt Spuren vieler Schritte,
von manchem Kommen und von manchem Gehn.
Das Wasser nahm sie schweigend in die Mitte
nur alle Ufer blieben ringsum stehn.

Das Boot liegt hier, als könnt es alles wissen
von jedem Ufer, das vorüberzog,
von jenen, die wir irgendwann vermissen,
und manchem Traum, der sich ins Herz uns log.

Ich würde gern noch einmal mit ihm fahren,
ganz ohne Ziel, nur in den Abend rein,
und all das Schöne, das in vielen Jahren
verloren schien, das dürfte nochmal sein.

Doch heute bleib ich still am Ufer stehen.
Der Abend wird so langsam richtig kühl.
Man muss nicht jede Reise selber gehen,
oft reicht einfach die Sehnsucht nach dem Ziel. 


Lisa Nicolis

21.8.26

Einfach nur Bild

 

Einfach nur Bild



Die Grenze zwischen Sein 
und Stein verschwimmt. Du schläfst,
 oder erinnerst du dich grade an ein Wort, 
das dir die Zeit anhalten könnte, 
während das flüssige Karmin 
das längst Vergang'ne überschreibt? 

Du scheinst das Denkmal 
eines Schmerz's zu sein, 
der viel zu schön ist, 
um ihn noch zu heilen.

Lisa Nicolis

20.8.26

Zwischen den Zeiten




Zwischen den Zeiten


Der Abend schüttet Gold aufs stille Wasser,
der Tag wird müd und lehnt sich an die Nacht.
Am Ufer stehen Blumen, immer blasser,
als hätte schon der Frost an sie gedacht.

Noch trägt der See des Sommers Farbenwärme,
der Sonne Strahl im Blau sich schon verliert,
doch über ihm, als käme es von ferne,
schwebt leises Ahnen, dass bald Herbst regiert.

So steh ich still. Die Zeiten dürfen gehen.
Der See bewahrt ihr Kommen und ihr Fliehn.
Und manchmal muss man gar nichts mehr verstehen,
nur bleiben, schauen und mit ihnen ziehn.



Lisa Nicolis
 
 

19.8.26

Aus vielen Stücken

 



Aus vielen Stücken


Ich bin ein Stückchen Gestern, etwas morgen, 
paar bunte Teilchen, die Geschichten schreiben, 
ein Stück, das alle sich behalten sollten, 
ein Stück von Dingen, die da übrig bleiben.
 
Ich trage Farben, die sich widersprechen,
dies warme Rot verkörpert meine Narben.
Ich bin aus Linien, die sich so niemals treffen.
Nur eine Träne rinnt entlang am blauen Faden.

Ich zeige aller Welt die Zufallsbrüche
und würd als Leser dir die Freiheit lassen,
trotz aller eindrücklichen Widersprüche,
mich staunend doch als Ganzes zu erfassen.



Lisa Nicolis

18.8.26

Zwei Welten




Zwei Welten


Zwei Welten sich verweben im Gesicht: 
mal sanft ein Strahl durch gold'ne Kronen bricht, 
mal ist dein Blick, so tief, wie weit das Meer, 
du trägst an Sehnsuchtsträume stumm und schwer.

Im Hintergrund tobt wild die kalte Flut, 
während im Haar ein Hauch von Wald still ruht. 
Zwei Segel gleiten hin durch Gischt und Wind 
und sind so frei, wie deine Träume sind.

Der Vollmond hängt an dichter Wolkenwand, 
als reichte er der Nacht die blasse Hand. 
Doch du bist Küste, Leuchtturm, du bist Licht, 
bist nicht nur Traum, der morgenhin zerbricht.



Lisa Nicolis

17.8.26

Hitzefrei


Hitzefrei


Es ist so leicht, wenn Morgen schon nach Regen schmeckt, 
wenn durch das Fenster frische Brise streicht 
und all das Strahlen tief in Wolken steckt 
und jeder Dämon aus dem Inn'ren weicht.

Wenn es in dir, um dich, zum Atmen leichter wird, 
wenn dir der Himmel aus der Wüste hilft 
und kein Gedanke sich im heißen Öd verirrt, 
wenn dir die Zeit zur Zeit den Anker wirft.

Jetzt mag die Jahreszeit noch gerne Sommer spiel'n, 
ich gönn es ihr, und mir, und auch der ganzen Welt. 
An heit'ren Tagen darf man gern auch Wärme spür'n, 
soweit sie sich wie'n guter Freund verhält!



Lisa Nicolis
 
 
Das Bild habe ich von einem von mir, aus Tuben erstellten Bild anno dazumal,
als Promt eingegeben. Natürlich hat KI es danach erstellt 

16.8.26

Schmetterling

 




Schmetterling



Nein, rühr` mich nicht an, 
mein Staub färbt leicht ab 
wie der Pollen, 
mein Flügel wird lahm, 
und das wirst du sicher 
nicht wollen.

Du schütztest mich einst, 
warst Zeuge 
der Metamorphose, 
auch wenn du jetzt greinst, 
ich war eine Raupe 
und lose

mit hungriger Gier 
an all deinen Zweigen 
gehangen. 
du hieltest mich hier 
mit grüner Verheißung 
gefangen.

Es reifte die Zeit, 
ich konnte 
mein Kriechtum besiegen. 
Jetzt bin ich bereit, 
als Schmetterling 
dir zu entfliegen. 


Und- fang mich nicht ein, 
versuche mich nicht 
zu behüten, 
lass frei mich nun sein 
und kosten 
die farbsüßen Blüten.

Ach, glaube mir schon! 
Mein Flügelschlag 
wird bald erliegen. 
Als neuer Kokon 
werd ich ins Gezweige 
mich schmiegen.



©Lisa Nicolis (2014)

15.8.26

Dieser Sommer kehrt nie wieder



Dieser Sommer kehrt nie wieder


Der Sommer streut die letzte Hitze 
noch einmal über Dach und Stein, 
hängt goldnes Licht an Baumesspitze 
und glaubt auf ewig da zu sein.

Doch seine Tage werden leiser, 
der Abend rückt schon früher vor, 
der Wind wird kühler, er wird weiser, 
und Herbst steht wartend vor dem Tor. 

Nie kehrt genau der Sommer wieder, 
der jetzt noch heiß die Straßen säumt. 
Ein neuer legt sich auf die Glieder 
der Welt, die neue Träume träumt. 

Auch ich werd nicht dieselbe bleiben, 
die heut in seiner Wärme liegt. 
Ein Jahr wird zwischen uns sich treiben, 
in dem sich manches dreht und biegt. 

Ein neuer Sommer wird erscheinen, 
mit einem anderen Gesicht. 
Wird hell die Welt in Farben kleiden, 
doch mich, wie heut, findet er nicht.

Wir alle werden um was reicher, 
was bis dahin durch uns geschieht. 
Kein Sommer findet uns je gleicher. 
Der Wind nur singt das gleiche Lied.


Lisa Nicolis


Augustmitte brennt


 

Augustmitte brennt


Augustmitte brennt sich ins Pflaster der Straßen, 
die Kühle leicht klammert an Bäumen sich fest. 
Im Sandkasten einer Baustelle lassen 
sich Bagger laut nieder und bau'n sich ein Nest.

Die Männer im Kasten drin baggern sich Miete, 
auch wenn hier kein Lüftchen den Wetterhahn dreht. 
Kein Mittagsschlaf - ach, ich verkrafte die Niete, 
ich weiß doch, dass Herbst vor der Türe bald steht. 

Dann schließ ich die Fenster und hab endlich Stille, 
heg wieder die herbstlkühle Wohnung ganz brav. 
Bin nicht mehr der Sklave von Sonnenfülle 
und feiere leis meinen Mittagsschlaf.


Lisa Nicolis

14.8.26

Zwischen Himmel und Erde

 

Zwischen Himmel und Erde


Heut diesem Boden liebesleicht entfliehen,
lass den Moment allein uns eigen sein.
Wir werden uns der Schwertkraft leis entziehen,
tauchen in Mystik fremder Sphären ein.

Ich fühl dein zartes Zittern wie ein Weinen,
weil dieser Augenblick Erinn'rung bleibt.
Nur ein Moment, drin Tränen Perlen scheinen,
wenn es uns wieder hin zur Erde treibt. 

Wir schweben und es ist noch nicht vergangen.
Die Dämmerung spannt ihre Flügel weit
und schon ist unser Himmel sternbehangen
und leuchtet rein in unsre schönste Zeit

Es ist schon dunkel, traute Nähen winken.
Die Erde schenkt uns wieder ihrer Nacht.
Doch lass uns noch den Liebeszauber trinken, 
mit Sternstaub aus Elysium gebracht.


Lisa Nicolis