– Wozu? Du wirst mir schon erzählen,
was du dort siehst.
– Aber was ich dir erzählen werde,
wird nicht das sein,
was du gesehen hättest.
Collagen, die ich erstelle, ohne zu ahnen, wie sie aus sich aufbauenden Gefühlen entstehen, Gedichte, die einfach Gedankenblitze sind. Die Bilder sind mit KI von mir erstellt
Die Seerosen
Die Blumen öffnen sich dem Schein,
die eine groß, die andre klein,
und zwischen ihnen formt sich Morgen,
um sich der Sonne Kraft zu borgen.
Das Blühen ist ein Freudenfest,
das seine Tiefe gern verlässt,
wenn sich der Tag aufs neu verkündet,
sich öffnet und nach oben findet.
Aus gelben, blauen Farbkontrast
formt hier ganz heimlich ein Phantast
den Zauber einer Wundergabe,
damit er ihn ins Herz dir trage.
Lisa Nicolis
Aus Stein
Ich wäre auch lieber aus Stein,
verformbar, möcht plastisch sein,
heut dieses Stückchen im Gesicht,
morgen woanders, oder nicht.
Dazwischen immer etwas Grün,
Moos würd entlang der Brauen ziehn,
ein wenig Farn an Wange, Kinn.
Ich wüsste nicht, wie alt ich bin.
Ich müsst nicht nach dem Wetter sehn,
ich könnte mitten drinnen stehn.
Und all die Risse, die ich säh',
täten nicht weh.
Lisa Nicolis
Die kleine Waldfee
Der Wald hat Puls,
der Wald hat Herz
und schau,
wie's in den Kronen blinkt
im Licht der kleinen Zauberin,
das jede Blume dankbar trinkt.
Kein Strom und keine Leitung ist's,
kein Schalter steht auf weiter Flur.
Es ist ein fröhliches Gesicht
mit eines Lächelns zarter Spur.
Sie steht im Himmel, schwerelos,
und lebt den duft'gen Blütentraum.
Um sie herum schmückt ihr das Kleid
ein leicht verträumter Wolkensaum.
Geh nicht! Schau ihr ein wenig zu,
sie fliegt wie'n Falter gleich hinaus.
Für dich war sie ein Lichtmoment,
doch erdenfern ist ihr Zuhaus.
Lisa Nicolis
Zwischen den Welten
Vielleicht ist jeder Ort,
den ich erstrebe,
nur ein Gedanke,
der lange einst
die Welt geträumt hat.
Nicht alle Brücken,
die ich gehe,
sind purer Stein,
sind einfach aus
"Was wäre, wenn ..."
das ich nie
ausgesprochen habe.
Ich mach mich
auf den Weg.
Nicht unbedingt,
um anzukommen.
Ich geh,
damit die Sterne
unterwegs mich
neu erfinden.
Aus Wolkenvlies
bricht vages Licht,
das mir
zu neuen Rätseln hin
Konturen zeichnet.
Und irgendwo
hinter dem goldnen Horizont
gibt es vielleicht
auch keine Antwort.
Nur eine Tür,
die neu sich öffnet,
sobald ich wagen kann,
an sie zu glauben.
Lisa Nicolis
Nachtschaltung
(Ode an den Bewegubgsmelder)
Die Nacht hat ihre Stimme längst verloren,
der Mond verbirgt sich irgendwo im Blau.
Der Baum vorm Fenster steht in Nacht verloren,
als wär er bloß Erinnerung aus Grau.
Dann plötzlich Licht. Ein Atemzug aus Helle
legt Silber auf die Zweige vor dem Haus.
Der Baum hebt seine Äste auf die Schnelle,
als tanzte lautlos er 'n Gebet hinaus.
Ich suche erst humane Scherenschnitte,
ein heimliches Vorüber in der Nacht.
Doch niemand ist's, als Wind mit wildem Schritte,
der mit den Ästen seine Späße macht.
Die winken dann dem wachsamen Sensoren,
der eifrig seinen Auftrag ruft herbei.
Natur düpiert die Technik unverfroren
-und ich erschrak, dass da ein Räuber sei.
Lisa Nicolis