.

8.6.26

Zum Abend hin


 

Zum Abend hin

Die weiten Fluren atmen still und schwer,
ein leichter Schein ruht auf den müden Gräsern,
als trüge jeder Halm ein Sehnen mehr
nach frischen himmlischen Gewässern.

Ein Vogel schwebt diffus im fahlen Blau,
als suchte er 'nen Weg auf seinen Runden,
und aus den Gärten steigt, so lind und lau,
ein Duft, an längst vergess'ner Zeit gebunden.

Da wird mein Herz, das oft ganz lautlos ruht,
von einer leisen, tiefen Freud getroffen,
als wäre etwas, das mich einst mit Mut
in dieser Welt erfüllte, wieder offen.

Und über allem wächst ein stiller Sinn,
der tröstend mich in seine Arme nimmt,
als wär ich nur ein kleines Lied darin,
das kommt und geht und leis dazwischen singt.
 


Lisa Nicolis




Das Wort zum Montag

Da hat die Frau Doktor ein wenig an meinem Auge herumgelasert, nur so ein wenig, weil ich mein Auge nicht richtig öffnen konnte. Hätte man erwarten können, dass eine Frau Doktor das Auge mit irgend einem Gerät offen halten kann , was nicht der Fall war. Und weil ich mein Auge nicht weiter aufreißen konnte, wurde eben nur ein Teil gelasert. Schlamperei würde ich es nennen, die Frau Doktor meinte aber, dass ich nicht mitmachen wollte.
Immerhin kann ich mal wieder mein Geschreibsel einigermaßen sehen.
Und was ich sehe, ist leider nicht das, was ich sehen möchte. Ich war schon in Versuchung, nicht das erste Mal, den Blog zu löschen, denn zu viele Fehler sind da überall. Die Gedichte müsste ich alle wieder unter die Lupe nehmen. Die sind alle nicht“ ausgereift“. Wäre aber noch immer viel zu anstrengend. Ich lasse es mal so stehen, ist ja nur meine kleine Sünde, nichts weltbewegendes.


7.6.26

Die Uhr


 

Die Uhr

Stell dir vor, dass heut die Engel
einfach sonntäglich nicht ruh'n,
weil sie scheinbar nichts Gescheites,
aber immerhin was tun.

Kurz der täglich Pflicht entflohen,
fliegen sie, so wie im Sturm,
mit Engelsmienen, immerfrohen,
auf den nahen Kirchenturm.

Können einfach nicht verstehen,
warum sich der Zeiger dreht
und warum die Menschen glauben,
es sei früh oder zu spät.

Auch die Ewigkeit haucht leise,
ewig fremd dem Zeitenlauf:
„Stoppt des Zeigers öde Kreise,
hebt das strenge Taktwerk auf.“

"Keine Zeiger soll'n sich drehen,“
ordnet sie behäbig an,
"auch die inn're Uhr bleibt stehen,
Montag ist sie wieder dran.

Menschen suchen in den Stunden
Trost und Ordnung, Maß und Ziel,
doch was ewig ist, bekunden
weder Maß, noch flüchtig Spiel."


Lisa Nicolis




Das Bild gehört zur Serie (von mir generierter Bilder
"Engel")
 auf einem anderen Blog:

                 

https://silbenblueten.blogspot.com

6.6.26

KI und ich


 
Zu den Bildern mit KI

Gedanken verrieseln
in die Fingerspitzen.
Schwarze Tasten klicken
Worte auf die Reise,
hinaus ins Universum,
auf den Flügeln der Fantasie.
Eine Zauberin
an der Schwelle zwischen Traum und Wirklichkeit.,
zeichnet, mit meinem Wortpinsel,
Geschichten aus Formen und Farben,
die sich im See deiner Augen
verschwimmen
und auf den Grund deiner Seele tauchen,
um dich zu erquicken.


Lisa Nicolis




Das Bild gehört zur Serie (von mir generierter Bilder
"KI's Zaubereien")
 auf einem anderen Blog:
                 
https://silbenblueten.blogspot.com




Vertrauen

 



Vertrauen

Man würde gern in den anderen schauen,
weil man ihm nicht so recht vertraut.
Der würde auf deine Freundschaft bauen,
hätte nur gern in dein Herz geschaut.

Freundschaft braucht Zeit, um sich zu entfalten,
Nicht Zweifel, Vertrauen wird sie gestalten.
Unsicherheiten werden sich lösen,
man lernt zu vertrauen im Guten und Bösen.
Auch ein Baum wird nicht nur an den Frühling denken,
um seine Wurzeln tiefer zu senken.

Lisa Nicolis

5.6.26

...anders als man denkt



Es kommt immer anders...


 Hallo, du Tod, ich bat dich, 
du sollst mich endlich nehmen.
Jetzt klaust du meinen Apfel.
Du sollst dich wirklich schämen!

Lisa Nicolis



4.6.26

Rohbau



Rohbau

Die Kindheit, ein Fundament aus Legosteinen.
Darauf wachsen Wünsche zu Wänden.
Hoffnung baut Fenster,
Zuversicht hält die Türen auf,
und der Wille tritt über jede Schwelle.
Durch offene Türen geht er hinaus
und kommt verändert zurück.
An hellen Tagen trägt dich das Fernweh
weit über den Horizont hinaus.
Sammelst deine Bausteine.
Du baust und veränderst,
fügst an, reißt ein,
beginnst von vorn.
Das Gerüst bleibt stehen.
Alles, 
was noch werden darf.


Lisa Nicolis


2.6.26

Schmetterlingseffekt



Schmetterlingseffekt

Der Flügelschlag eines Wortes,
nicht größer als eine fallende Feder,
nicht lauter als das Rascheln
einer Saite im Wind,
ein kurzer Schatten
zwischen zwei Atemzügen.
Und doch trägt es manchmal
das Gewicht von Kontinenten.

Es verlässt einen Mund,
wie ein Schmetterling sein Blatt verlässt,
ahnungslos über die Stürme,
die seine Flügel zeichnen werden.

Der eine meint Wärme,
der andere hört Eis.
Der eine schenkt Vertrauen,
der andere versteht Verrat.
Zwischen Gesagtem und Gehörtem
liegt kein Ozean,
kein Gebirge,
kein Krieg.
Nur ein winziger Irrtum.

Eine falsche Betonung,
ein Gedanke zu viel,
eine Frage zu wenig,
das Wort fliegt weiter
setzt sich auf die Schulter eines Freundes,
der daraufhin zum Fremden wird.

Das kleine Wort wird weiter
nach seinem ursprünglichen Sinn suchen.
Vergeblich.
Denn längst war es
größer geworden als sein Sprecher,
größer als sein Hörer,
größer als die Wahrheit selbst.


Lisa Nicolis




Das Bild stammt noch aus der Zeit, als ich die Bilder selbst
zusammengebastelt hatte und es noch keine KI gab.

1.6.26

Diese Nacht!






        Diese Nacht

        Diese Nacht war nicht gut, diese Nacht war zu lang
        und sie schreckte mich aus allen Träumen, aus dem 
        flüchtigen Weilen in Räumen mit Ängsten und Todesnäh, 
        steckte mir in den Gebeinen und die Glieder taten mir weh.
        In allen Zellen wütete sie, sie peitschte mir hoch wüste Fantasie.
        Gequält schenkte ich ihr den Schlaf.
        Und wie es dann immer kommen muss, der Morgen weckte  sie 
        mit einem Kuss aus dem Sinnenrausch, aus dem Wellenschlag, 
        aus dem Alp aller bösen Träume.
        Nun wünsch ich mir einen guten Tag.


        Lisa Nicolis


 

31.5.26

Blickwinkel

 





        Blickwinkel

        Manch einer kaut an dem nüchternen Knochen des Schicksals 
        ein Leben lang und hält sein Gesicht allen andren, die nichts mit 
        dem kargen Geschick seiner Tage verbindet, verbittert entgegen.
        Als hätten die, noch vor ihm, seine Felder der Hoffnungen 
        allesamt kahl gefressen.

        Bei andren verklärt die Erinnerung sich am vergangenen Sein 
        und die Zeit formt daraus sich Juwelen.
        Das Leben schenkt uns die gleichen Stunden, doch der eine 
        findet den Knochen darin, der andre die Sterne.


         Lisa Nicolis

Aus meiner Sicht


Aus meiner Sicht

Ich ging behutsam durch die Zeit,
darauf bedacht, keinen zu kränken,
wog meine Worte, Schritt für Schritt,
ohne an eignes Wohl zu denken.

Ich glaubte, Sorgfalt sei genug,
um niemandem den Schmerz zu geben
und achtete auf jedes Wort,
das fiel am Weg durch dieses Leben.

Doch Fehler tragen selten Schilder,
sie kommen leise, unbenannt.
Manch Wunde, die ein Wort geschlagen,
hat nicht einmal mein Herz erkannt.

So traf mich nun aus heit'rem Himmel
ein Vorwurf, schwer wie kalter Stein:
ich sei so unachtsam gewesen.
Wie kann das sein, wie kann das sein?

Ich suchte lange nach der Stelle,
an der mein Weg den andern schnitt,
doch manches Leid entsteht im Schatten,
den man nicht sieht und den's doch gibt.

Nicht Bosheit war es, nicht Verachten,
nicht Gleichmut gegenüber Leid.
Nur menschlich war ich, voller Irrtum
-erkennt man leider nur zu zweit.


Lisa Nicolis