Ruf mich,
wenn du mich brauchst.
Brauchst du mich immer,
wenn du mich rufst?
Wenn du mich nicht rufst,
brauchst du mich doch?
Und wenn du mich brauchst,
warum rufst du nicht?
Lisa Nicolis
Collagen, die ich erstelle, ohne zu ahnen, wie sie aus sich aufbauenden Gefühlen entstehen, Gedichte, die einfach Gedankenblitze sind. Die Bilder sind mit KI von mir erstellt
Die Stille
Oft ist die Stille Attribut von Leid,
von aschgetränkter Glut,
die Worte sucht und sie nicht findet,
sich nur um Schuld und Buße windet.
Und wenn die Stille sich verrennt
in eine Seele, die noch brennt
und nicht um Hilfe schreien kann,
was dann?
Lisa Nicolis
Hortensien
Sie rosten vor sich hin, unsre Hortensien im Garten.
Die Dolden hängen trist und braun,
nur ein paar Blütenaugen schaun
sich müde um und warten,
vielleicht auf Regen,
auf ein Wunder,
das kurz vorüber zieht.
Wie ich des nachts, wenn ich im Sterben liege
und morgens mir ein neuer Tag erblüht.
Ach, könnten sie mich fühlen,
wie ich mit ihnen leide,
weil sie sich kaum noch halten,
und weil sie Haltung wahren,
so würdevoll und still.
Und wenn ich mich verneige,
um ihnen so zu danken,
dann für die Schönheit, sommerlang,
im Spiegel meiner Augen-
ihr zartes Farbenspiel.
Lisa Nicolis
Am Fluss
Der Herbst sitzt schweigend neben mir,
sein Atem streift die kahlen Bäume.
Im Wasser fließt ein Stück von hier,
dazwischen treiben meine Träume.
Die Stadt steht grau am andern Rand,
als hätte sie mich längst vergessen.
Vielleicht hat sie mich nie gekannt,
mich unbewusst nur kurz besessen.
Der Fluss nimmt mit, was gestern war,
zieht unter müden Brücken weiter.
Ein Windstoß fährt mir leicht durch's Haar,
ums Herz wird es mir eh nicht leichter.
Ich bin alleine und ich seh,
wie Blätter auf dem Wasser treiben.
Ihr Gehen keimt in mir ein Weh.
So Vieles ging, ich muss noch bleiben.
Lisa Nicolis
Ich war schon mal da
Ich wollte dich schon löschen,
du bunte, kleine Welt.
Was soll'n die blauen Pilze,
und dieses Märchenzelt?
Was soll ich mit den Feen,
mit Schloss und Flügelschlag?
Die Kindheit liegt so ferne,
seit manchem langen Tag.
Doch plötzlich war da etwas,
das leise in mir sprach,
als würd aus fernen Tagen
mein Kindsein wieder wach.
Ich kannte diese Orte,
den Wald, das fremde Licht,
vergaß nur alle Wege
und dacht', ich brauch sie nicht.
Vielleicht geht nichts verloren
von dem, was einmal war.
Es schläft nur unter Jahren,
ganz still und unsichtbar.
Ein Blick in all die Bilder,
der Zauber rückt so nah.
Heut ist mal eben gestern
und ich bin wieder da.
Lisa Nicolis
Ich
Bin heute immer noch die gleiche,
die ich mit zwanzig war,
es täuscht die Welt nur immer wieder,
mein schon ergrautes Haar.
Schon welken herbstlich manche Blätter
von meinem Seelegrün,
doch seh ich all das bunte Treiben,
wie’n Lied an mir vorüberziehn.
Da sind die Takte voller Lachen,
doch andre klingen müd und schwer,
manch einen möcht ich noch einmal,
und manchen lieber gar nicht mehr.
Das Lied wird irgendwann verklingen.
Ich war so viele sicherlich,
doch durch die mir geschenkten Jahre
ging nur das gleiche grade Ich.
So zog mein Leben still vorüber
-ein Lied, das leis und lange klingt,
die Melodie ist gleich geblieben,
auch wenn manch Ton ein wenig hinkt.
Lisa Nicolis