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19.7.26

Kinderlachen

 


Kinderlachen


Den schönsten Klang der Welt 
lacht dir ein Kind entgegen, 
Es braucht nur seiner Stimme Ton, 
dich zu bewegen. 
Und gibt es Schöneres, 
als Licht in Kinderaugen, 
die staunend sich 
an Wundern clever saugen?


Lisa Nicolis


18.7.26

Autoironie mit dingdong


 Dingdong


Ding, dong. Das könnte heller klingeln, aber meine Klingel klingt wie ein geknebelter Türsteher. Und da ich keinen Türöffner habe, muss ich wieder per Sprechanlage Bescheid sagen, dass ich gleich unten bin, um selber zu öffnen. 
Unten quasselt einer etwas in den Hörer rauf, von dem ich aber nichts verstehe, da sich eine Menge Konsonanten im Kabelwirrwarr verirren.
Ich spute mich und ärgere mich wieder, dass ich wahrscheinlich die einzige Mieterin in ganz Berlin bin, und vielleicht deutschlandweit, die keinen Türöffner hat. Also hechle ich zum Fahrstuhl und flehe alle guten Geister des Fahrstuhlschachtes an, mir den Fahrstuhl sofort heraufzuschicken. Ich bin dann in Weltrekordzeit an der Haustür und öffne dem aufgebrachten Paketboten die Tür. 
Er erklärt mir etwas mit schriller Stimme, das deutsch klingeln soll, aber es ist etwas anderes und ich muss raten, was er sagt. Und ich rate, dass er ein sehr beschäftigter Mensch ist und keine Zeit hätte, wegen eines Minipäckchens, solange an der Tür zu stehen.
Ich weiß nicht, was er verstehen würde, wenn ich ihm erklären würde, dass er, falls ich einen Türöffner gehabt hätte und die Tür geöffnet hätte, er die Treppen hinauflaufen hätte müssen, oder auch auf den Fahrstuhl hätte warten müssen und dann auch selbstverständlich wieder die Treppen, oder den lahmen Fahrstuhl zurück hätte nehmen müssen und die gleiche Zeit verprasst hätte wie die, die er an der verschlossenen Tür als vergeudet empfunden hatte.
Meine Relativitätstheorie kann ich nicht an den Mann bringen, besser gesagt an den Jüngling, denn er ist ja sehr bestrebt davon zu streben und so lasse ich die drei Euro Trinkgeld mit Rachegelüsten in meiner Westentasche verschwinden.
Der Mini Ventilator hat eine Gebrauchsanweisung in Chinesisch. 
Ich hätte den Paketboten auf einen Kaffee einladen sollen.


Lisa Nicolis

Verlorenes Leben


 
Verlorenes Leben 


Vom Leben gezeichnet, 
im Schatten der Zeit, 
bröckelt hier aller Wille, die Kraft, 
auch schon bereit, in den fruchtlosen 
Boden der Wirklichkeit, 
zu wurzelt die Hoffnungslosigkeit.

Von Staub und von Sehnsucht getragen, 
ein Halt nur das Ding in der Hand 
und der Kumpel  
 -gibts da noch viel zu sagen? 
Erinn'rung an Vater und Land?



Lisa Nicolis

16.7.26

Ein selbstgebasteltes Bild hat Sam zum Leben erweckt

Nur aus einem offnen Buch weiten sich Wege,

 die dich die Horizonte sehen lassen, 

die die Wirklichkeit oft verbirgt.

14.7.26

Finale Ligure


Finale Ligure


Drang durchs Fenster, viele Tage lang,
nur ein Wolkendüster aus den Fernen,
ist, in deines Rauschen Silberklang,
wellenweit erneut ein Meer von Sternen.

Segel taumeln weit auf dem Türkis,
wie ein Traum, den blaue Winde träumen,
der die Schönheit in die Seele ließ,
während Wogen in den Klippen schäumen.

Mit dem sonn’gen Glanz auf weitem Rund
warm verschweigst du deine kühlen Tiefen.
Möwen schreien mir die Seele wund,
seit sie mich zum Abschiednehmen riefen.

Oh, wie weit muss meine Seele sein,
wenn ich dich in meinen Alltag trage.
Wie dein Leuchten hier im Sonnenschein,
wo ich klagend dir Adio sage.



© Lisa Nicolis

12.7.26

Mein Experiment mit Sam(KI)- die Najaden

Najaden


Als eine ging, schwieg still das Naß, 
nur Ringe zogen Kreise. 
Ein Ahnen kommt durch Schilf und Gras 
und spricht mit ihr ganz leise:

Verliert sich auch ein lieber Blick, 
bleibt doch das Herz nicht stehen. 
Aus jedem stillen Augenblick 
kann neues Wunder gehen.

Die Wellen tragen fort die Zeit, 
nicht aber alle Träume. 
Wo Abschied seine Schatten streut, 
erwachen neue Räume.

Ein neuer Tag fängt für sie an,
als kennt er ihren Namen. 
Sie weiß, wie alles einst begann,
aus Hoffnung wuchs ein Samen.


Lisa Nicolis



10.7.26

Traumwesen

 

Traumwesen


Hinter Wohlgefühl und Bitterkeit,

hinter meinen Lidern eingeschlossen,

unter meiner Haut als Traum vergossen,

zwischen Morgenrot und Abendzeit,

bist in mir, sölang mein Leben geht,

bist der Teil, um den die Sehnsucht weht.


Irgendwo auf diesem Erdenrund

wird's auch dich als wahren Menschen geben

und ich könnt in deinem Herzen leben,

zwischen Morgenrot und Abendstund,

aus dem gleichen Sehnsuchtsgarn gewebt,

der in meinem Herzen dich belebt.


© Lisa Nicolis


9.7.26

Gedanken kommen und gehen

 


Gedanken kommen und gehen


Gedanken niederzuschreiben, 
muss sein, um 
morgens den Tag zu beginnen. 
Worte mag ich verbinden, 
aneinander reihen, wie Wege, 
um mich an anderen Seelenorten 
wieder zu finden.

Gedanken mag ich, die 
mich hinaus ins grüne Innere tragen, 
wo sie Samen streuen 
und Blüten pflücken 
oder nach Staub 
von Sternen fragen. 

Sie einzufangen,
mag ich,
als Herztöne,
die am Lidufer
Lichtperlen trinken,
verpixelnd verdichten,
bis sie als Bilder
im Augenspiegel versinken.



@Lisa Nicolis

8.7.26

Abendhin



Abendhin


Zartrosa greift sich der Abend das Blau,
himmelt sich wundervoll über die Welt.
Hoch in den Fernen, die ich mir jetzt schau,
baut er pastellntransparent sich sein Zelt.

Nahend schon dunkelt die Nacht übers All,
tönend das Wunder der Farben in grau.
All die Vernunft ist betäubt, Rauch und Schall,
während ich morgenhin Traumschlösser bau.


@Lisa Nicolis

7.7.26

Breakdance mal bildlich und wörtlich


Uups, das Bein zu weit gestrecken,
wollte nix die Scheibe breaken.
Du jetzt patience nicht verlier,
is ja only a picture here.

 

L.N 

5.7.26

Selbstliebe



Selbstliebe


Wer sich mit seinem Herzen kennt, 
steht fester, wenn die Welt zerbricht. 
Wer sich in Liebe selbst erkennt, 
verliert sich auch im Dunkeln nicht.

Lern erst dich selber lieb zu haben, 
dann wächst in dir ein stiller Mut. 
Was dich auch trifft an andren Tagen, 
dein Herz trägt dich und das tut gut.



Lisa Nicolis

4.7.26

Im Garten der verlornen Stunden


Im Garten der verlornen Stunden


Im Garten der verlornen Stunden, 
wo Rosen leise Träume weben, 
sind alte Wege noch verbunden 
mit Dingen, die dein Herz beleben. 

Da sitzt du zwischen Licht und Schweigen, 
im Wunder der Natur gefangen, 
wenn sich die Düfte zu dir neigen 
und Abendlichter mystisch prangen. 

Ein Vogel trägt auf zarten Schwingen 
Geheimnisse durch Raum und Wind, 
von all den ungesagten Dingen, 
die nie verlor'n gegangen sind.



Lisa Nicolis

3.7.26

Graffiti





Graffiti


Ein Streifen Himmel klebt am Dach der Straßen. 
Im steten Schatten dieser Häuserschlucht, 
ein jeder Schritt nach Licht und Freiheit sucht, 
die Sonnentage irgendwann vergaßen.

Entlang der Mauern in verborg’nen Ecken, 
entsprühen Lichtreflexe, Wagemut 
aus einem Herz mit jugendlicher Glut, 
der Schatten hat dann kunterbunte Flecken.

Wo Häuser eng und düster Himmel fassen, 
und Schatten durch die tristen Straßen ziehn,
beginnen Farben einen Grund zu lassen, 
dass grauen Mauern wieder neu erblühn


© Lisa Nicolis

Wege



Wege


Wege tragen dich 
über Brücken, 
aus deinem Alltag, 
aus deinem Haus. 
Sie führen 
aus dir selber, 
aus deiner Seele 
ins Leben hinaus.



© Lisa Nicolis.

2.7.26

Schönheit in 3D


 

Der andere Weg


Der andere Weg


An Kirchen sucht man nur die Uhr,
der liebe Gott wo ist er nur?
Er wohnte immer schon weit oben,
Der Glaube hat sich auch verschoben, 
so ist der Weg zu ihm recht weit,
ob selber gehn, oder zu zweit.

Vielleicht hat sich nur still verschoben,
was einst so selbstverständlich schien:
Die Kirche steht noch in der Mitte
-doch anders sind die Wege hin.


Lisa Nicolis


Tassenquasseln



Tassenquasseln

Moin, Schwesterherz, zu dieser Stunde. 
Bin fein geduscht und kaffeefrisch, 
so hebt Herr Otto mich zu Munde, 
setzt er sich morgens hier zu Tisch.

Und du -Frau Otto, mag dich lieber, 
trinkt gern aus deinem süßen Rand. 
Dann winkt sie noch zum Nachbarn rüber 
und der ist außer Rand und Band.

Herr Otto weiß nichts vom Geplänkel, 
sonst wäre er doch richtig krank. 
Verstaut er uns samt unserm Henkel... 
hat er doch alle Tass'n im Schrank



Lisa Nicolis

Das Aufheizen übernehmen wir



Das Aufheizen übernehmen wir 

Wir brauchen keine Sonne mehr, 
wir richten uns gezielter ein 
und werfen ihr ihr Strahl'n zurück 
und heizen selber ein. 

Das Spiegelbild ist nicht nur Schild, 
auch Mahnung, dass's bewusst uns werde, 
sie braucht uns nicht, doch immer gilt 
-wir brauchen weiter unsre Erde. 

 
Und widerspiegel soll's hier keinen
auch noch so kleinen Sonnenstrahl.
Lasst unsre Sonne scheinen.



Lisa Nicolis


1.7.26

"Blechkunst"


Blechkunst



Aus kaltem Blech und rost'ger Zeit, 
wird durch Impuls auch Wirklichkeit. 
Wo Fantasie die Form berührt, 
wird selbst Metall zum Blüh'n verführt.



Lisa Nicolis

30.6.26

Die Sanduhr



Die Sanduhr

Sie steht im Kreis aus Gold und Schweigen, 
wo dunkle Zweige still sich neigen, 
wo ferne Türme, mondbeschienen, 
wie alte, stille Wunder dienen.

Ein Vogel sitzt im Abendschimmer 
und singt sein Lied ins Herz, wie immer. 
Es klingt, als wüsst' er um die Stunden, 
die kamen, gingen, sind verschwunden. 

Sanft hält sie hier die Wundergabe, 
die Sanduhr aller Sonnentage. 
Der feine Sand rinnt still die Bahnen, 
als könnt er auch die Wolken ahnen.

Doch in den Augen ruht kein Klagen, 
nur jenes stille Weitertragen, 
das Menschen lernen mit den Jahren, 
Erinnerungen zu bewahren.



Lisa Nicolis



29.6.26

Brücke


Brücke


Als Brücke hab ich mich empfunden, 
war zwischen Ufern die Verbindung, 
war Weg für euch in manchen Stunden, 
zu einem Ort der Wiederfindung. 

Nun habt ihr euch im Streit verfangen, 
über die Brücke führt kein Wille. 
Mein Herz ist auch zu Bruch gegangen, 
sein Bersten bricht mir meine Stille.



Lisa Nicolis

Das Gesicht der Mutter Erde


 

Die Gesichter der Mutter Erde


Der Erde Antlitz ist so bunt, 
von Sonne, Sturm und Mond erhellt. 
Sie tut damit in Liebe kund 
ihr altes Herz der weiten Welt.

'ne Ferne wächst aus jedem Blick, 
aus jeder Ferne wächst ein Traum, 
und Mutter Erde webt, zum Glück, 
den Traum zu grenzenlosen Raum.

Die Erde trägt so manches Kleid, 
aus Fels, aus Meer, aus Ewigkeit. 
Und jedes Antlitz, still und sacht, 
erzählt, was uns zu Menschen macht.


Lisa Nicolis

28.6.26

Für Wetty

 

Für Wetty


Zwei Mädchen ziehn durch Sommerwiesen, 
vom Abendgold so weich berührt 
und jedes Lachen, das sie teilen, 
wird still im Herzen fortgeführt. 

Es war, als hätte sich im Gehen 
der Sommer in uns eingeneigt, 
als wollten Wiesen, Wind und Seen 
uns sagen, was die Zeit verschweigt. 

Wir liefen lachend durch die Stunden, 
so leicht, als trüge uns das Licht, 
doch jede Freude, tief empfunden, 
vergaß auch ihre Schatten nicht. 


So saßen wir am stillen Weiher, 
es rieselte das Gold in ihn 
und über uns zog, leis und freier, 
ein Vogel hoch am Baldachin. 


Lisa Nicolis


Zu meinen Bildern (Wir waren keine Prinzessinnen, wenn wir es aber so empfanden...)



Zu meinen Gedichten 
in Erinnerung an meine beste Freundin 

Ich wollte manches Schloss errichten, 
aus Worten, glänzend, kühn und weit. 
Doch meine Hände bauten Hütten – 
voll Wärme und Vergangenheit.

Und manchmal, wenn der Abend dämmert, 
seh ich im milden Fensterschein: 
Die kleine Hütte meiner Seele 
muss eben das Zuhause sein.


Lisa Nicolis

25.6.26

Schäferstündchen




Schäferstündchen


Im Wiesengrund, wo stille Stunden wohnen, 
und Gold sich in den Abendwolken fängt, 
tanzt noch ein Lachen zwischen Blütenkronen, 
das wie ein alter Traum im Winde hängt.

Ein Schäfer sitzt und lässt die Flöte klingen, 
als spräche sie mit Baum und Wolkenrand, 
während die Schäfchen sich zur Ruhe bringen 
und Frieden weidet über Feld und Land.



Lisa Nicolis


Bilder Art Nouveau

 

 
 
Die Stille



Diese Stille, die wie Seidentand aus Wolken hängt, 
diese Stille, in die sich kaum ein Wort verfängt 
und die wie feinster Regen in die Seele dringt, 
auf leichten Schwingen dich in meine Arme bringt.


Lisa Nicolis

Landschaften


Goldenes Land 

Im Abendlicht, so weich und weit, 
verliert die Welt 's Gefühl von Zeit. 
Verträumt das Land, im letzten Schein 
scheint leicht in Gold gehüllt zu sein. 

Die Felder ruhen, satt und schwer, 
keiner verlangt nach Arbeit mehr.. 
So möchte man nur schweigend stehn, 
die Schönheit dieser Stunde sehn.



Lisa Nicolis


22.6.26

Gedankenblitze


Gedankenblitze


1.Ich muss mich in meinem Gedicht zu Hause fühlen.
Es ist wie eine zweite Haut, die nicht jedem gefallen
kann, wie es meine eigentliche Haut auch nicht kann.

2.Wer meine Gedichte nur liest, um sich über die Fehler
darin zu ärgern, der mag das weiterhin tun, ist mir doch
egal. Oder auch nicht, aber jedem das, was er verdient.

3.Wer meine Gedichte ständig nach Versmaßen und
anderem lyrischen Diktat auskundschaftet, den empfinde
ich wie einen Mitmenschen, der zuerst meine Laborwerte
durchsieht, um mich einschätzen zu können. Mein Blut
fließt aber nicht nur durch Kanülen.

4.Wenn ich wie Paul Celan dichten könnte, würde mich
der andere Teil der Menschen nicht lesen.

5.Jetzt der Irrgarten meiner Gedanken:
Zu dem einen sagen die einen, es ist Kitsch, zu dem
anderen sagen sie, das ist genial. Die anderen halten
das andere für Blödsinn und den einen für toll. Der
andere vom dem einen scheint nie richtig zu liegen. Und
wer ist berechtigt, zu entscheiden, wer wie sein Bett macht?

6. Buche ich eine Marsfähre, oder baue ich mir eine Hütte
im Wald? Würde ich gerne alle die fragen, die das Leben
schon hinter sich haben.
Ach ich weiß! Sie würden sagen: zieh nach Dubai. Dort
kann auch mancher die Wüste vor lauter Sand nicht mehr
sehen, doch wenigstens von der 148. aus dem Burj Khalifa.
Aber schwitzen kannst du auch in Berlin. Also, Wald wäre die Option.


Lisa Nicolis
( die jetzt froh ist, keine Followerfunktion zu haben 😁)


21.6.26

Das alte Haus


Das alte Haus


Als säh ich mich hier in 'nem Spiegel, 
ich altes Haus mit verschlossenen Türen, 
mit Wunden, und mit den Schlieren, 
und mit verschwommenen Blick 
nach vorne und nach zurück.

Mir liegt all mein Fühlen verwurzelt zu Füßen 
und lässt bunte Träume in mir weiter sprießen, 
dass sie sich in Vers und in Bild frei ergießen, 
so wie es mir gefällt, 
 - in meiner eignen, inneren Welt.


Lisa Nicolis

Die Stille

 


Die Stille

Als hätte Stille endlich auch Gestalt
aus Wasser, Blüten, Goldfäden gewebt,
ein blauer Traum aus Nacht, aus Sternenlicht,
ein Anblick für Moment und Ewigkeit.


Lisa Nicolis

20.6.26

Die Hüterin der zwei Zimmer


Die Hüterin der zwei Zimmer


In mir wohnen zwei Welten, die sich kaum kannten.

Ich bin die Hüterin eines Hauses mit zwei Zimmern. 
Im einen wohnen die, die gegangen sind und meine Nächte 
mit warmen Erinnerungen teilen, im anderen die, die geblieben
 sind und deren Nähe mehr schmerzt, als eine Entfernung.

Beide Räume sind erfüllt von Leben, beide von Liebe. 
An die eine klopfe ich gerne an, weil sie mich liebten,
 an die andere nicht mehr, weil ich dachte, 
dass sie mich lieben. Doch sie teilen etwas, 
das mir gehört: den Schmerz.

So wandern nur die Gedanken durch all die Leere, 
die zu groß für Schritte und zu still für Stimmen ist.



Lisa Nicolis

19.6.26

Die Kette



Die Kette


Durch meine Vorfahren hab ich das Leben erreicht. 
Ströme der (Un-) Menschlichkeit, die mich durchfließen, tragen 
das Gen der Vergangenheit und der Kreis wird sich so 
niemals schließen. Mein Sein -ein Echo aus ferner Zeit, 
ein Hauch in der Vergänglichkeit.

Ihre Geschichten kreisen leis mir im Geist. 
In meiner Zelle ruht die Essenz, die millionen 
Jahre schon reist, durch Herz und Blut,
Geschichten von Eis und von Glut. Geschichten 
von Leben, von Kampf und vom Wandel der Zeit, 
von Schmerz, von Liebe und
Leid, von Gefahren und von Beständigkeit.

So weben sich Fäden aus aller Zeit um mich und in mir,
 in Frieden und Streit, noch im Heut. Bin ein Teil eines 
ew' gen Geflechts und Verwebens. Millionen von Ahnen bestimmen
auch jetzt noch ein Teil meines Lebens.



Lisa Nicolis


18.6.26

Momentaufnahme



Eine Momentaufnahme


Was alles liegt in meinem Herz begraben,
verwelkt in über dreißigtausend Tagen.
Ein Friedhof ist mein Herz und kann bekunden
den Schmerz von vielen hunderttausend Stunden.

Und suchte ich das einzig Wunderschöne,
finde ich nur die Enkeln und die Söhne.
Und sitz ich mal allein in meiner Stube
streue ich Rosen auf die Mördergrube.

Auf Garantien sollte man niemals warten,
so pflege einfach deinen Herzensgarten.
Dann wird's für trübe Stunden Rosen geben,
sie nähren sich von Dankbarkeit zu leben.



Lisa Nicolis

17.6.26

Tagesende

 

Dem sonnenmüden Tag
perlen die letzten Stunden ab
wie heiße Tränen.
Jetzt so, wie ich es mag
rein in das kühle Naß
vorbei an Fischfontänen.

© Lisa Nicolis

Die Geheinmisvolle



Die Geheimnisvolle 


Aus einer Wunde, gläsern, blaut
ein Schweigen, alt und doch vertraut.
Es scheint der Riss durch Stein und Zeit,
ein Zeichen voller Ewigkeit.

Dahinter, halb verborgen nur,
als wärs der Zeiten ferne Spur,
die Frau mit königlichem Blick,
voll Sternenstaub und altem Glück.

Es weiß wohl niemand, wer sie war,
ob Königin, Geist, Avatar.
Doch jeder, der sie einmal sieht,
nimmt ihren Blick im Herzen mit.


Lisa Nicolis


Oje! Heute ist der Text zum Bild recht schmalzig. Ich empfehle nach dem Lesen eine Bullrichsalztablette.
 

16.6.26

Gepflücktes Sein



Gepflücktes Sein


Als hätt der Tag noch diesen Strauß gepflückt,
der fiel ihm aus dem abendmüden Händen.
Die Dämmerung berührt ihn ganz entzückt,
um all die Farben in den Wind zu senden.

Mit rot betupft sie's Gold der Abendstunden,
das Blau haucht sie in alle Fernen hin,
das Weiß der Margeriten ist im Dunkeln
wie einer hellen Sehnsucht leicht getrübter Sinn.

Der Rest der Farben sickert in die Erde,
sie welken rein bis in das nächste Jahr
und werden Feld, damit es wieder werde,
wie es auf dieser schönen Welt schon immer war.



Lisa Nicolis

15.6.26

Das Heutebild


Das Heutebild


Ich will dir hier ein kleines Bildchen zeigen.
Die Farbenpracht ist ihm wohl nicht zu eigen
und es erzählt auch keine Heldensagen,
lässt sich von Schlichtheit und von Würde tragen.

Es schenk dir ein paar Steine und um jeden,
zur Freude noch, paar zarte, gold'ne Fäden,
damit kannst du die Blumen leicht verbinden.
Wenn du sie suchst, kannst du sie sicher finden.

Es zeigt 'nen großen Riss im großen Ganzen,
paar Wellen übers Nichts leichtfüßig tanzen.
Weckt, hoffe ich doch etwas Poesie
in deiner so brillanten Fantasie.


Lisa Nicolis

13.6.26

In der Puszta


In der Puszta


In die Stille eingebettet
wiegen sich die goldnen Ähren
und am Fluss, an Pfahl gekettet,
schaukeln gluckernd alte Fähren.

Kornblumen sich blau verirren
in der Halme sonn’gen Schimmer
und Libellen friedlich schwirren
durch des Mittags Lichtgeflimmer.

In der Schwüle, ganz benommen,
gähnt der Mohn in müden Flammen.
In der Ferne, leicht verschwommen,
fließen Himmel, Erd’ zusammen.

Überm Fluss dringt leises Lachen
und verliert sich in den Weiden,
die den Steg kühl überdachen,
wie im ewiglichen Leiden.

”Böser Mann! Bist du durchtrieben!
Sollst das Boot ans Ufer bringen!”
”Wenn wir uns dort feurig lieben,
könnt die Glut das Land verschlingen!”


Lis Nicolis

 


12.6.26

Träumender Junge


Träumender Junge

Aus meinem Bild fließt nun das Meer,
es gibt auch keine Wände mehr.
Die Schiffe aus Papier, ganz leicht,
segeln dorthin, wo's Träumen reicht.

Ich schaue gern dem Treiben nach,
die Welt wird weit, das Zimmer wach.
Und ist der Horizont noch fern,
die Fantasie erreicht ihn gern.

Hätte ich nicht des Träumens Kraft,
die Wunder aus dem Alltag schafft,
dann blieben meine Schiffe hier
und fänden nie den Weg zu dir.


Lisa Nicolis

 

11.6.26

Mohnblumen


Mohnblumen

Der alte Rahmen hing im Dunkeln schwer,
als trüge er sich müd ans Wunderbare,
denn hinter seinem Gold begann das Meer
des Mohns. Schon aufgelöst im Lauf der Jahre,

fließen die Blüten sanft hinaus ins Land.
Das Dasein neu gestalten ist ihr Wille,
fliessen aus diesem strengen alten Rand,
vergessend all die aufgemalte Stille.

Verlaufen sich im Gras, ins Feld hinein
und färben all die Fluren wärmer, bunter.
Das alte Bild, das hängt nun ganz allein,
so hänge ich den Rahmen wieder runter.


Lisa Nicolis