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31.5.26

Blickwinkel

 





        Blickwinkel

        Manch einer kaut an dem nüchternen Knochen des Schicksals 
        ein Leben lang und hält sein Gesicht allen andren, die nichts mit 
        dem kargen Geschick seiner Tage verbindet, verbittert entgegen.
        Als hätten die, noch vor ihm, seine Felder der Hoffnungen 
        allesamt kahl gefressen.

        Bei andren verklärt die Erinnerung sich am vergangenen Sein 
        und die Zeit formt daraus sich Juwelen.
        Das Leben schenkt uns die gleichen Stunden, doch der eine 
        findet den Knochen darin, der andre die Sterne.


         Lisa Nicolis

Aus meiner Sicht


Aus meiner Sicht

Ich ging behutsam durch die Zeit,
darauf bedacht, keinen zu kränken,
wog meine Worte, Schritt für Schritt,
ohne an eignes Wohl zu denken.

Ich glaubte, Sorgfalt sei genug,
um niemandem den Schmerz zu geben
und achtete auf jedes Wort,
das fiel am Weg durch dieses Leben.

Doch Fehler tragen selten Schilder,
sie kommen leise, unbenannt.
Manch Wunde, die ein Wort geschlagen,
hat nicht einmal mein Herz erkannt.

So traf mich nun aus heit'rem Himmel
ein Vorwurf, schwer wie kalter Stein:
ich sei so unachtsam gewesen.
Wie kann das sein, wie kann das sein?

Ich suchte lange nach der Stelle,
an der mein Weg den andern schnitt,
doch manches Leid entsteht im Schatten,
den man nicht sieht und den's doch gibt.

Nicht Bosheit war es, nicht Verachten,
nicht Gleichmut gegenüber Leid.
Nur menschlich war ich, voller Irrtum
-erkennt man leider nur zu zweit.


Lisa Nicolis

30.5.26

Wenn Augen Türen schließen




Wenn Augen Türen schließen

Ich folge gern der Wolken Spur,
die lautlos durch die Lüfte gleitet,
mal weich wie Watte, strahlend hell,
mal trüb, vom Wind im Flug begleitet.
Und manche hängen voll und schwer,
als hätten sie den Regen weit getragen

Dann ist es schwer, an solchen Tagen,
wenn deine Seele voller Worte ist,
wenn die Gedanken kommen, 
Bilder entstehen, die Lust zu schreiben 
noch immer brennt, du voller Freude bist.

Doch deine Augen sind müde, so müde,
dass selbst die Gedanken dir schmerzen,    
und sie verweigern, das alles zu tragen,
was du zu tun denkst ganz tief im Herzen.

Mein Geist zieht durch weite Welten,
findet stets Worte, Zeilen, Reime.
Doch meine Augen schließen die Türen,
bevor diese je das Papier erreichen.
So bleiben Sätze ungeschrieben,
bleibt manch Gedicht im Dunkeln liegen
weil aller Weg dorthin zu mühsam ist.


Lisa Nicolis

29.5.26

Leihgabe


Leihgabe

Abends treten sie leise
aus den Schatten der Erinnerung,
und ihre Stimmen sind wie ferne Glocken
über einem stillen Garten.

Alles ist nicht mehr,
 was ihnen eh nicht gehörte.
Sie sitzen an meinem Bett
mit den Augen vergangener Jahre,
lachen und weinen ihr verlorenes Leben
hinein in meinen Traum.

Oft wandern wir gemeinsam
durch die Räume der Zeit,
durch Sommer, die längst verweht sind,
durch Worte, die noch immer in mir weilen.

Und manchmal glaube ich,
der Wind haucht ihre Namen
durch die Baumkronen im Morgenlicht
so wissend die ihre Zweige neigen.

Wenn mich der Tag  dann wieder findet,
bleibt nur das leise Pochen des Herzens,
das mich daran erinnert, dass wir niemals 
besitzen, was uns zu gehören scheint.

Denn auch das Leben
ist nur eine Weile
in unsere Hände gelegt.



Lis Nicolis


25.5.26

Abendstunden am See

Abendstunden am See


Der Tag lässt sein Gold in den See verrinnen
und kühlt in der Tiefe die Wunden.
Die Wellen ihm leis noch zum Abschied singen
und trinken die letzten Stunden.

Der Himmel schon neigt sich in warmen Farben
und ruht auf den spiegelnden Gründen.
Als wollte die Sonne ihr letztes Umarmen
dem schweigenden Wasser verkünden.

Noch trägt die Ferne den Rest des Lichtes,
ein Feuer aus roten Sekunden.
Die Wolken tragen das Wort des Gedichtes
wie Kränze zu stillen Stunden.


Lisa Nicolis

24.5.26

Im betreuten Wohnen



 Im betreuten Wohnen

Der Wind hat nur leicht noch im Ahorn geblättert 
und trägt dann das Rauschen zum Fenster herein. 
Im Hof, ganz allein, sitzt du still auf der Bank, 
wie von allen vergessen.

Der Weißdorn in diesem Jahr ist verblüht, 
seine Blüten schwirr'n wirr durch die Luft, 
setzen müde sich dir in das eisgraue Haar. 
Im Hof ringsum  -Fliederduft.

Früher, als alles noch anders war, 
hatten wir zwei kein gleiches Geschick. 
Jetzt sitzt, immerzu ohne Sang und Klang,
im Zimmer bei mir das Elend bereit, 
wie im Hof bei dir auf der hellblauen Bank.

Und ein Pfingstfest ist überall heut.
Doch ich träume dahin, wie ein bockiges Kind, 
von dem Leben, das einst mich voll Stimmen erftreut' , 
während dir heut der Wind dein Erinnern, ganz lind, 
in die Streublumenwiese streut.

Lisa Nicolis

21.5.26

Ich muss mich neu erfinden

 

Ich muss mich neu erfinden

Ich war dir Nacht, du warst in mir geborgen.
Ich war dir Tag, in den du wiederkehrtest.
Ich war dir Licht an jedem neuen Morgen,
an dem du mich mit Treueblick beschertest.

Ich war dir Wind in deinen straffen Segeln,
und war dem Boot zu deinem Hafen Strömung.
Ich war das Maß für ungeschrieb‘ne Regeln,
für trübe Stunden Brücke zur Versöhnung.

Ich muss mich neu erfinden, neu gestalten.
Ich bin nicht Gott, ich kann dich nicht mehr tragen.
Dein Veilchenblick wird mich jetzt nicht mehr halten...
Ich werd die Flucht aus deinem Gleichmut wagen.


© Lisa Nicolici


Ich möchte


 
Ich möchte
aus meinem Ich hinaus
in den Frühling schreiten,
mir pflücken den Duft
seiner Weiten,
in meine Seelenschale
die Farben legen,
sie zu neuem Bild beleben.
Unter dem Flügelschlag
bunter Libellen
ließ ich in seichten Wellen
Halme sich wiegen
und würde dann
lautlos darunter liegen.
Wie ein sorgloser Quell
möcht ich
den Frühling durchfließen
-wenn diese Wände mich ließen.


© Lisa Nicolis

20.5.26

Quelle



 
Quelle

Es glitzert
ein verlor’ner Himmel
sonnensilbern
in deinem klaren Kräuseln.
Mich dürstet es
nach monotonem
Plätschern,
nach feuchterdiger Frische.

Die Lauterkeit werd ich
dir trüben,
dich schöpfen
und trinken werde ich
den Wald,
der sich in deinem
Spiegel wiegt.

© Lisa Nicolis




in meinem kopf



in meinem kopf

in meinen ohren rauscht der wind
es sprießen bäume 
in meinem kopf
 es wurzeln wälder 

gedanken rauschen 
wie steile bäche
ins leere

zwischen den wänden 
und der decke
werden die blicke
weite wege
 so ausweglos
und doch so nah
 zu wunderbunten horizonten

aus meinem schleudersitz der fantasie
fall ich am rande dieser welt
in einen wolkenbett
um so das rund
aus den quadratisch steifen engen
zu ent... decken.


Lisa Nicolis




Meeresrauschen


 
Meeresrauschen

Ich kenne
dieses ruhelose Flackern
in deinen dunklen Augen
-ein Meer,
das schäumend sich
auf stille Klippen wirft.
Mit langen Wellen, wild,
aus irgendeinem seichten Grund,
nach hohlen Muscheln greift,
auch wenn in seinen Tiefen
sich schwarze Perlen runden.

Und bin ich deiner Unrast
graue Klippe nur
und loser Sand,
der unter deinen kalten Wogen treibt,
so bin ich dir
auch stiller, warmer Strand,
der dich vom Überlaufen hält,
bis du in deinen Tiefen ruhst
und ich in dir
mich widerspiegeln werde.


© Lisa Nicolis


19.5.26

Zitronella



Ich bin einfach zu schön,
um sauer drein zu seh'n,
das Saure bleibt nur steh'n,
um süßer auszuseh'n.

Das Versteck


Manchmal birgt ein Gitter die Einsamkeit,
die das Suchende zu finden erwartet.
Manchmal versteckt sie sich auch
hinter dem Tor,
als wäre gefunden werden gefährlicher,
als verloren sein.


Lisa Nicolis

18.5.26

Im Wolkenland



Im Wolkenland

Im Wolkenland da tragen Bäume Wolken.
Auf einem Ast da würd ich gerne sitzen,
dem watteweichen Treiben um mich folgen
und zuseh'n, wie die Wolken alle blitzen.

Im Wolkenland sind Blitze zwar behende ,
doch sind sie nur ein wundervolles Scheinen,
da fühlt man sich in Gottes lieben Hände,
wenn zwei der rosa Wolken sich vereinen.

Das Donnern ist ein harmloses Geraune,
man knüpft damit nur himmlisch schöne Bande.
Hier bricht man nie 'ne Feindschaft so vom Zaune,
man lebt ja schließlich still im Wolkenlande.


Lisa Nicolis

17.5.26

Das blaue Bild




Bild in Blau

In schon ganz  leicht dämmernder Stunde
tanzt sie noch froh durch's Blüh'n eine Runde,
ihr Kleid, ein Traum, ein Kunstwerk in blau,
trägt Spitzen und Rüschen hier zur Schau.

Es schimmert das Bild, so mild wie Seide.
Wolkenfrei, verwobner Glanz im Kleide
des Himmels, zauberhaft und weich,
als wäre es ihr traumhaft Reich.

Fließend die Farben leicht verwehen,
die Schönheit bleibt tanzend bestehen,
ein Zauber aus Spitze und aus Licht,
den selbst die Zeit nicht mehr zerbricht.


Lisa Nicolis

Gedichte zu Bildern zu schreiben ist schon eine knifflige Sache.

16.5.26

Das Tor zum Licht


Aufrecht, erlöst
dem Ziel eines Weges
in Demut entgegen,
um zu der Ewigkeit finden,
und du zögerst auch nicht..
Bald,
hinter himmlischen Rätseln
und Wolkendickicht,
ewige Heimat finden.
Nach einer Reise
durch dieses Leben,
mit dir selbst im Einklang
-durch das Tor in das Licht.


Lisa Nicolis


15.5.26

Blau- gold



Blau- gold

Zwischen Blau und Gold
trägt sie das Schweigen
wie einen verborgenen Schmuck.
Das Licht berührt ihr Haar,
nicht die Schatten darunter.
Die Farben sprechen lauter
als ihre Augen.


Lisa Nicolis

14.5.26

Mein ist Moment



Mein ist Moment

Wie ein verwundetes Tier
hängt die Sehnsucht nach Ferne
am Nagel des Seins
und die Wände trinken mich auf.
Meine Träume
stoßen die Flügel sich wund
an dem Raumfirmament
und sie fallen zu Hauf
in das Herz mir zurück,
ungeträumt.
Könnt ich dann,
durch 'nen Riss in der Wand,
einen Pfad in die Freiheit noch finden,
trüge ich, lange aufgestaut,
all die verborgenen Tränen wohl mit
unter der Haut.


Lisa Nicolis


 

9.5.26

Das späte Gedicht zum Frühling



Das späte Gedicht zum Frühling

Bald wird die Sonne wieder
der Veilchen Bläue weiden
und Hoffnung steht in voller Blüte da.
Ein jeder Tag dem nächsten
wird bunte Düfte neiden,
der Nächste rückt dem Frühling
doch wundersam so nah.

Der Lenz mit weichen Pinseln
wird Lebensfarben malen
in jedes wintermüde und fahle Angesicht
und alle Lebensräume
mit Himmelslicht bestrahlen,
das aus den Götterfernen
mit Wärme zu uns bricht.

Noch liegt des Winters Schatten
wie’n Lid, auf Augentiefe,
drin ruht ein See voll Liebe
und ruht in voller Glut.
Mir ist, als wenn Dornröschen
in unsren Seelen schliefe,
Prinz Frühling schenkt ihr bald schon
aufs Neu den Lebensmut.


© Lisa Nicolis

5.5.26

Dämmerung in Moll

 

Dämmerung in Moll

Wie Tränensäcke
hängt Gewölke über der Stadt.
Wohlig und mild
nährt das Grau ringsum die Luft
und ist satt
von Mystik getränkt.
Nur Hundegekläff
stört die Stille kurz,
hüpft vom Pflaster hell
und verklingt 
in der Straße
wie'n leiser Seufzer im Wind.

Aus Glas scheint 
die Welt mir zu sein,
das Farb nicht verträgt,
 keinen Duft,
und selbst nicht des Mondes 
nebligen Schein.
Wirkt immerhin,
schleiern, pastell,
ein Bild von dem Jetzt
zu sein
zum  Ende des Tages hin.


Lisa Nicolis

1.5.26

Aus- gedacht


Ausgedacht

So lass nun endlich die Gedanken,
dreh dich nicht immer um sie rum.
Sie satt zu nähren, zu betanken,
ist einfach unnötig und dumm.

Schaue dem Regen in die Augen,
lass deinen Schirm im Hausflur stehn.
Du darfst im Strömen 's dir erlauben,
deinen Gedanken zu entgeh'n.

Nach jedem Tropfen wirst du spüren,
wie du gedankenfreier wirst
und deinen Körper neu erfühlen,
wenn du dich selbst in Freiheit führst.

© Lisa Nicolis

Nein, natürlich passt Gedicht und Bild nicht immer zueinander.
Passendes zu finden, ist zu beschwerlich. Also, ist es, wie es ist:
Beschäftigungstherapie mit &-Produktion der KI mit Bildern.