Leihgabe
Abends treten sie leise
aus den Schatten der Erinnerung,
und ihre Stimmen sind wie ferne Glocken
über einem stillen Garten.
Alles ist nicht mehr,
was ihnen eh nicht gehörte.
Sie sitzen an meinem Bett
mit den Augen vergangener Jahre,
lachen und weinen ihr verlorenes Leben
hinein in meinen Traum.
Oft wandern wir gemeinsam
durch die Räume der Zeit,
durch Sommer, die längst verweht sind,
durch Worte, die noch immer in mir weilen.
Und manchmal glaube ich,
der Wind haucht ihre Namen
durch die Baumkronen im Morgenlicht
so wissend die ihre Zweige neigen.
Wenn der Tag mich wiederfindet,
bleibt nur das leise Pochen meines Herzens,
das mich daran erinnert,
dass wir niemals besitzen,
was uns zu gehören scheint.
Denn auch das Leben
ist nur eine Weile
in unsere Hände gelegt.
Lis Nicolis

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