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29.11.25

Advent


Wie wird das Leben doch zu einem leeren Haus,
wo nur die Wände noch Geschichten leben,
gerahmte Augen starr dein Sein erfassen,
der Klinke keiner mehr die Hände geben,
die Füße deiner Stühle, eingeschlafen,
sich gehen lassen
und immerzu die vielen Türen
nur noch nach draußen führen.


Als wär das Leben wieder voll,
versuche ich, mit Eifer,
die Fenster zu beleben
und auch den Plastikbaum,
wie ein geliebtes Wesen,
mit Gottes Segen.
Ich freue mich, oder ich tu nur so,
dass dann mein Haus erstrahlt
als würd’s etwas zum Feiern geben
und sich der Tisch anfühlt,
als sei er eingerahmt
mit Lust und Leben.


© Lisa Nicolis


25.11.25

Wetter



Es liegt so bleiern in dem Regenstrom,

es fließt so schwer

der engen Blutbahn lang,

und ist in so viel Winter eingehüllt,

und liegt in allen Dingen um mich her.

 

Mit meinen Sinnen fremd verschlungen, kalt,

drückt es die Last

des Himmels mir aufs Herz,

verschleiert lichtlos, grau mir meinen Blick

-zu meinem Gestern- freudloser Kontrast.

 

Es hing vor Stunden in den Bäumen, weiß.

Es lag so weich,

so flaumig auch in mir.

Es zauberte mit kalten Funken Licht

und Kinderlachen in die Luft zugleich.

 

Es küsste Blumen auf mein Fensterglas.

Doch heute trieft

es trist den Tag entlang.

Und jeder Tropfen höhlt die Seele aus,

hat diese Dunkelheit in mir vertieft.

 

 ©Lisa Nicolis


19.11.25

Nachtwind




Ich zähle nachts alle Stunden,
die nirgends vorhanden sind.
Ich zähle die Schmerzen und Wunden
und lausche dem ruhlosen Wind.

Die Stunden sind uhreninnen,
im Zimmer sind keine da.
Nur das Weh drin in allen Sinnen
ist dunkel und kalt ganz nah.

Es schleichen die gleichen Lichter
von gestern ins Heute ein.
Der Tag wird der gleiche Richter
für den Packt mit dem Leben sein.


Lisa Nicolis

11.11.25

Mal Thor sein


 
1. In dieser Strophe lass ich's regnen,
nicht Thor, ich werd die Erde segnen
und lass den Regen so lang fließen,
bis sich der Strophe Tore schließen.

2, Hier werd' ich Regen, Wind bestechen,
dass sie auch manche Bäume brechen,
dass sie durch diese Strophe wüten,
ich werd kein Haus, kein Heim behüten.

3. Siehst du, der Sturm hat nachgelassen,
das Sein fließt still durch alle Straßen.
Es war nicht schlimm, 's war eher Posse,
kein Stäubchen landete 'n der Gosse.

Not war am Mann, ich hab geholfen.
Thor war eh müd. Er ging zum Golfen.
Und um jetzt keinen zu verdrießen,
werd ich die letzte Strophe schließen.


Was guckst du noch?
Es kommt nichts mehr.



Lisa Nicolis

5.11.25

Aufgeräumt

 


Die schwarze Tinte
auf vergilbten Blättern,
- wie trocknes Blut
verletzten Daseins,
auf Seelen
längst gefällter Bäume.

Vorbei an schon
verblassten Schnörkeln,
lese ich mir
die Augen nass
und während ich die Worte dann
in blaue Tonnen schütte,
brennen sie lange noch
in meiner Seele 
weiter.


© Lisa Nicolis

4.11.25

Staffellauf

 



Die Sonnenstunden biegen
linksrum aus meiner Stadt.
Paar Fenster blinseln müde
und blind, und sonnensatt.

Die Straßen laufen alle
oktobernbunt davon
die Bäume zeigen Flagge
in einen rost'gen Ton.

Der Abend schleicht schon kühler
von irgendwo hervor
und öffnet dem November
freundlichst nun Tür und Tor.

Während der Herbst sich nächtens
ersinnt ‘nen neuen Charm,
zieht oben, schnatternd schrille,
südwärts ein Kranichschwarm.


Lisa Nicolis

2.11.25

Trubeltag




Ach, fänd’ ich den gefeiten Ort,
wo Stille Wörtergarben bindet,
in jedem Wort ein Sinn sich findet,
ich weilte gerne lange dort.

Und horchte jedem Worte nach,
das mir aus Silbenkörnern keimte
und sich auf all mein Denken reimte,
ich flüsterte mir Träume wach.

An diesem dunklen Trubeltag
sehn’ ich mich nur nach hellen Schweigen,
dass leise der Gedankenreigen
in einem Vers sich finden mag.


© Lisa Nicolis