4.5.21

Wortlos

Wenn ich nach Worten suche,
sind meine Horizonte leer
und die Geduld geht mir zu Bruche.
Der neuronale Leerlauf wiegt recht schwer.
Der Seelenwald allein rauscht monochrome Silben,
noch frisch aus Grauzonen gebrochen,
doch sie zum Wort hin schnell vergilben ,
bevor mein Mund... 
ach, selbst mein Herz
hat heut kein einz'ges Wort gesprochen.
Sind alle aufgebraucht, die Worte,
Hier ist das Sein nur Plattitüde, leer.
Gedanken geistern vag um ferne Orte.
 Denke mich ganz ohne Substanz
hinein in Sturm und Meer.
`s hat keinen Sinn, um sinnvol, sinnlos
mit dem Ich zu streiten.
Versuche nur, das allpräsente Nichts
wie Streu hier auszubreiten.
 
© Lisa Nicolis

Wer in meinen Gedichten nach Jamben und Trochäen sucht, ist hier auf dem falschen Weg. Ich konstruiere sie, wie mein Cerebrum es diktiert, genau so, wie ein Hobbygärtner sein Blumenbeet gestaltet.Manchmal wird ein Gedicht auch zur Streuwiese. Mag nicht jeder. Ich mag auch lieber Rilkes Panther und gar nicht Goethes Erlkönig, obwohl es da fast ordentlich jambt.