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19.11.21

Herbslandschaft

Immer heller fall’n die Stunden
in des Morgens kühlen Raum,
färben birkenbleich, benebelt,
schon den nahen Waldessaum.
 
Längs der Pfade flüchten Schatten
in den blattgeschmückten See.
Ockern welken Gräsermatten
und es riecht nach Erdennäh.

© Lisa Nicolis


 

18.11.21

Regentagisch


 
Das Hier ist da, ist nah
und ist immer jetzt
besetzt.
Das Hier bleibt hier stehen,
es sei, ich müsste gehen,
dann wird das Hier
zu dort
und ich bin hier
an einem anderen Ort.
Und da
ist das Vorne vorn.
Dreh ich mich aber um,
wegen der Finten,
dann ist hier
das Vorne hinten. 
 
Wollt hier die Lyrik
nicht verschandeln,
wollt wieder nur
ein wenig jandeln.
Doch- wie zu sehen,
es fehl'n die Onomatopöien. 
 
© Lisa Nicolis
 
Rilke war mein Dichtergott und Jandl schockierte mich. 
Ich mochte ihn nicht, bis ich ihn verstehen lernte.
Nachahmen kann ich ihn nicht, denn mein Gehirn wurde
anders geflochten.

15.11.21

Herbstwind


Heute färbt der Herbst meine Gedanken,
bin ein Stück Natur, bin Busch und Baum.
Ich versuch, im Wind mal nicht zu wanken,
zupft er auch an meiner Kleider Saum. 
 
Tönt nun golden meiner Stimmung Saiten,
Glücksgefühl für mich zum wohl'gen Preis.
Etwas Farbe will ich doch erstreiten:
für'n Dezember, nur ein wenig Weiß! 
 
Sieh, auf meinen sturmgeformten Zweigen,
flattert bunt mir noch ein müdes Blatt.
Eine Opulenz bleibt, trotzdem, mir zu eigen:
trink mich noch am Leben hoffnungssatt. 
 
© Lisa Nicolis

 

13.11.21

Regentag


Herbst liegt auf den Straßen,
rostet vor sich hin,
Farben still verblassen,
's regnet ohne Sinn. 
 
Schirme täuschen Ruhe,
drunter klopf, klopf, klopf,
füßeln ein paar Schuhe
zügig ohne Kopf. 
 
Rätsle so am Fenster,
wen ein Schirm wohl birgt.
Menschen? Sind's Gespenster?
Und der Herbsttag wirkt 
 
düster auf die Psyche
wie ein Hammerschlag,
wie Spökenkiekersprüche
vor dem jüngsten Tag. 
 
Plötzlich bricht das graue
Himmelhoch entzwei
und wohin ich schaue,
gibt's Köpfe aufs neu. 
 
© Lisa Nicolis

11.11.21

Herbstgedanken


Wer schenkt mir alle Farben, die ich male
und zündet Herbstesflammen auf das Bild?
Wer hält geduldig meine Farbenschale,
und führt mir den Gedankenpinsel mild?

Wer bricht aus meinem Alltag graue Steine
und trägt herein des Herbstes goldnen Hauch?
So färben sich auch meine Seelenhaine
und al mein Dunkelsein erhellt sich auch.

© Lisa Nicolis

9.11.21

Du fehlst

 

Ich würde gerne wieder reisen,
und wär es nur in deine Welt
unter 'nem worterwärmten Zelt.

Und du erzählst von alten Tagen,
die so verklärten Längstgeschichten,
lässt's Herz berichten
von Orten,
die mich niemals sahen,
doch dein Erzähl'n
mich hin zu ihnen tragen.
.
Ich würde gerne wieder reisen
auf Silbengleisen
durch deinen bunten Wörterwald,
die Steilwand deines Witz' erklimmen,
in deine Well'n mich fallen lassen,
in deiner Augen Seen verschwimmen
-doch du hast uns schon längst verlassen.

© Lisa Nicolis (1995)
 
In Erinnerung an eine gute Freundin

27.10.21

Einen schönen Herbsttag den hierher Verirrten!



Tinnitus 

 
Es rauschen die Sinne,
das Leben ist laut
und der Morgen ist schäumendes Meer.
Noch eh ich beginne,
die Sonne mich schaut,
ist mein Kopf voller Schicksal und schwer.
Der Tag fegt wohl wieder
hellhörend vorbei,
ist ein Flugplatz, bezwungenes Wehr.
Doch ich sing meine Lieder,
erfinde mich neu,
geh dem Kismet halt stoisch einher. 

 
© Lisa Nicolis

Tinnitus- ein Monster, das man nicht bezwingen kann, aber man lernt, es zu akzeptieren.


 

19.10.21

sturmtief


mein inneres dunkelt
so teil ich die wolken
und heb mir die sonne 
zum mund

ich trinke das licht
ich trage es rein
in den regen 
der am seelendach
gnadenlos hämmert

drin im versteck
flattern die vögel
ein schweigen sich zu
und ich schweig mich
zu ihnen

bei licht im herzen
bis hin zum wettersturz
zwitschern wir lieder
selbst die wolken
kuscheln im flug

irgendwann
ruhst auch du
sturm
und wir flügeln
in ein anderes schweigen
 
Lisa Nicolis