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4.8.26

Der Silberrahmen



Im Silberrahmen


Ich liege auf dem Sofa, liebe Kinder, 
und starr die Wand vor mir nichtsahnend an. 
Da hängen ewig zwei ovale Bilder,  
rechts eine Frau, ganz Rokoko, versus ein Mann.

Im Silberrahmen eins, mit blonden Haaren, 
trägt sie verträumt ihr wunderschönes Kleid, 
im andren Rahmen, schon seit vielen Jahren, 
steht er charmant, erstarrt in Flair und Schneid.

Da denk ich mir -wie trist verläuft ihr Leben. 
Sind beide hier so lange schon allein, 
da möcht ich plötzlich nach der Lösung streben, 
für beide eine zarte Brücke sein.

KI, komm zaubern wir mal was zusammen, 
das Wunder einer süßen Einigkeit, 
wir sprengen jetzt die silbrigfeinen Rahmen 
und schon sind sie, wie sich's gehört, zu zweit.

Seitdem, ich glaub', man kann es nur erahnen, 
wenn sieben Himmeln Sterne tragen, 
geht's nachts, 
ganz leis von Rahmen hin zu Rahmen: 
»Madame?« 
»Monsieur?« 
»Darf ich es wieder wagen?"

Dann küsst er ihr, vor'm ersten Morgenstrahlen,
die zarte Hand, den neu gefund'nen Schatz,
und jeder kehrt zurück in seinen Rahmen.
und hängt wieder an seinem stillen Platz.


Lisa Nicolis