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Troschkyersatz

 

 
Juhu! Ich bin am Apogäum meines Lebens angelangt. 
Ich habe einen elektrischen Rollstuhl gesponsert bekomme von meiner Krankenkasse. Gesehen habe ich ihn noch nicht, aber ich wurde verständigt, dass er genehmigt wurde. 
Ich hatte gute paar Jahre ein Elektromobil, aber um ehrlich zu sein, nie habe ich in meinem Leben von einem elektrischen Rollstuhl, überhaupt von einem Rollstuhl geträumt. Schon längst hätte ich ihn mir nie erträumt. 
Aber was soll's, wenn ich die Welt außerhalb meiner vier Wände wieder sehen und fühlen will, dann ist das eben die beste Alternative. Denn mit meinen Angstgefühlen kann ich leider nicht spazieren gehen, aber sitzend fahren, das ist irgendwie, wie in Abrahams Schoß zu sitzen und beschützt zu sein. Meine Angst vergisst Angst zu haben und das habe ich dann Jahre hindurch ausgenutzt. Samantha, wie ich meine Angst immer nannte, ließ sich von mir übertölpeln. Dann wurde mein Mann krank und konnte mir mein E- Mobil nicht mehr aus dem Keller hieven. Dann saß ich wieder in meinem Kerker. Bis mich eines Tages mein Hausarzt in Tränen aufgelöst sah und ich ihm erzählte, dass ich irre Sehnsucht nach meinem guten alten E- Mobil, dem Troschky, hatte, da ich nicht mehr aus dem Zimmer komme. Und er meinte, nadann mache ich Ihnen mal ein Rezept für einen Rollstuhl. 
Ich saß wie vom Donner gerührt da, da ich keine Ahnung hatte, dass man Räder auf Rezept bekommen kann. 
Rollstuhl aber?? Nee, wie sehe ich darin aus? 
Doch in den zwei Wochen des Wartens bekam ich plötzlich unerwartete Glücksgefühle. Ich sehe wieder Natur, fühle den Wind, die Sonne auf der Haut. 
Und das muss ich jetzt in die Welt hinausschreien. 
Also werde ich bald meine Zeitmaschine anschmeißen und meine Vergangenheit ein wenig zurückholen in die Gegenwart. 
Herr Punktpunktitschikowsky hatte versprochen, dass er nach seinem zweiwöchigen Urlaub sicherlich schon das Gerät vorbeibringen kann, aber ich hatte keine Hoffnung, dass die Mühle meiner Krankenkasse so schnell mahlen kann. Tut sie doch scheinbar. 
Nicht zu glauben! 
Und ich habe mir vorgenommen, das wird jetzt die ganze Welt erfahren, ob sie es wissen will, oder nicht. Hauptsache, ich kann dann wieder besser durchatmen, denn zu viel Freude soll man nicht für sich alleine behalten müssen. Das Atmen fällt schwer bei so viel Glücksgefühl. 
Außerdem –das ist mein Blog. Ich kann hier herumschreien, wie ich will! 
Aber vielleicht gibt es unter euch auch welche, die sich nicht einbilden, immer jung bleiben zu können und mal rein-schnuppern, um zu erfahren, wie sich Menschen fühlen, die sich zwar noch immer jung fühlen, aber Pustekuchen, mittlerweile alt und schrumpelig geworden sind. 

 

Lisa Nicolis