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30.8.26

Blaue Stunde

 

Blaue Stunde


Ein Schiff, zum Horizont in Lot, 
trägt fremde Träume übers Meer. 
Am End der Welt verglüht ein Rot, 
und alles Ferne lockt noch mehr.

Hoch überm Wasser schweigt das Schloss, 
bewahrt, was längst vergangen scheint. 
Der Wind fegt noch durch Busch und Moos, 
als hätte Zeit darin geweint.

Von irgendwoher drängt ein Zug, 
sein Atem weiß und wolkenschwer. 
Er trägt die Welt in seinem Flug 
von gestern fort-  wohin, woher? 


Und zwischen allem steht die Frau, 
als wäre sie aus Zeit gemacht. 
Im Kleid das tiefe Meeresblau, 
im Blick ein Rest vergangner Nacht.

Vielleicht fuhr einst ihr Schiff davon. 
Vielleicht kam nie der Zug zurück. 
Das Schloss bewahrt noch einen Ton 
von einem längst versäumten Glück.

Doch Abendgold fällt auf ihr Kleid 
und für den Atemzug der Stunde 
ist Einst und Jetzt und Freud und Leid 
nur ein Erinnern, keine Wunde.



Lisa Nicolis