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18.11.22

Herbstgedanken


Wer schenkt mir alle Farben, die ich male
und zündet Herbstesflammen auf das Bild?
Wer hält geduldig meine Farbenschale,
und führt mir den Gedankenpinsel mild?

Wer bricht aus meinem Alltag graue Steine
und trägt herein des Herbstes goldnen Hauch?
So färben sich auch meine Seelenhaine
und al mein Dunkelsein erhellt sich auch.


© Lisa Nicolis

13.11.22

Weltenblind


Ich tanze recht oft in den Wolken,
gedankenverlor’n im Néant ,
im Sternengewimmel verbannt.
Ich tanze recht oft in den Wolken.

Dann reißen mich nieder die Lieben.
Sie steh’n mit dem Boden vereist,
weiß keiner, was fernschweben heißt.
Sie reißen mich nieder, die Lieben.

Mich sättigen nicht Kreaturen.
Ich lechze nach Fernen und Wind,
bin sternhungrig, doch weltenblind.
Mich sättigen nicht Kreaturen.


© Lisa Nicolis

12.11.22

Fragen vor der Wiedergeburt


Ameise sein zwischen
Futtersuche und Schlaf?

Trapse ich lieber als Schaf
zwischen Stall und Weide?
Wolle spenden statt Seide?

Oder lieber im Norden brüten
und dann triebgesteuert
auf in den Süden?

Sich lieber suhlen im Dreck,
enden als Hack und Speck?

Doch lieber Krieg entfachen,
zuseh'n beim Sterben?

Lohnt es sich Mensch zu werden?


© Lisa Nicolis

10.11.22

Gedankenkarussell


Noch im zerfetzten Wolkentand
entblättert sich der Herbst,
beschreitet nassfüßig die Stadt
und mir entfließt das Pflaster wieder
in die Verzweigungen des Seins.
Mich schnürt die Enge meiner Welt.

Ich sollt mich festklammern
am Rest der Sonne,
mit ihr die Horizonte wechseln,
in eine Hoffnung untergehen,
dass ich noch Morgenröte atme
am Bruchstrich zwischen Nacht und Tag.

© Lisa Nicolis

1.11.22

Weben


könnte ich weben
würde ich weben
weben
sternende Nächte
über die Lider
über das Herz
blumige Weiten
Wellen mir weben
mit schaumweißen Saum
nur einen Tag lang
nur einen Tag
sollt ich dafür auch
das restliche Leben
entweben

© Lisa Nicolis

20.10.22

Herbst in Sicht


Hielt die Natur in Strahlenhänden
des Sommers wundersamen Duft,
wirbelt nun Wind aus Geisterhänden
den Rest des Sommers
durch die Luft.

©Lisa Nicolis


 

18.10.22

Gedicht zum Kaumwasgesehenbild

 

Es wäre schön,
es reichte mir
der Herbst die Hand
und führte mich paar Jahre noch
durch Eis und Schnee
zum Frühling hin,
noch oft in bunter Sommernäh‘
und wär es nur
in meinem schweren
Herbstgewand.

© Lisa Nicolis


17.10.22

Wetter


 

                 Wetterboten wettern Trübes
                      und es trübt sich auch die Sicht
                                los bricht      schlagartig
                          das Klopfen 

                                                wilder Tropfen
                         
                                          Simsgetrommel
                       
                               blindgetrommelt 
                                                      schon die Scheiben
               
                    scherbend sterben 
                                                  Blumentöpfe
                                         
            Köpfe hinter Fenstersprossen

                    Mienen 
düster                  
arg betroffen
                             vom dem Toben und dem Klopfen
                                            sturmgetrieb'ner Tropfen sind
                                     
                                                und der Wind
                                                           wild und stark
                            fällt die Tanne dort im Park

© Lisa Nicolis

13.10.22

Die Zeit lügt Herbst

Wieder verblättert die Zeit aus den Bäumen,
rostet oktobern nun vor sich hin.
Würde wohl schneeweiße Träume träumen,
wär sie so alt, wie ich es jetzt bin.

Verwirbeln würde ich bunt durch die Straßen,
Wehmut durchtränkt, in der Erde Schoß.
Hoffnung wär ich noch, Farb‘, dann verblassen.
Sie mimt den Herbst nur, ganz frech, alterslos.

© Lisa Nicolis

 

8.10.22

Ballast


In all den einsam- düstren Tagen
hab Ängste ich
in mein Versteck getragen.
Als ich dann sah,
wie viele sich ergaben,
wollt‘ ich damit
aus meinem inn‘ren Labyrinth
mich wagen.
Doch finden wir da niemals raus.
Auch unser Weg geht uns bald aus.

© Lisa Nicolis

27.9.22

Momentaufnahme

Ich stehe mir selbst müd im Wege,
den ich schon gegangen bin.
Die wartenden Brücken und Stege
die hoffe ich nur vor mich hin.
Mein Weg war schon immer recht bleiern.
Die Kraft, wie Ballast, blieb zurück.
Der Tag nun orakelt in Schleiern
von Zukunft, von Hoffnung und Glück.

© Lisa Nicolis

25.9.22

Heute Morgen


Ach, öffne noch nicht deine Augen
und sollt's auch schon morgen sein.
Ist sicherlich wieder ein Heute
mit herbstmorgenklar'n Sonnenschein.
Ein bisschen noch innenwärts weilen,
 schlaftrunken in mir, ganz allein…
Doch's Leben ruft, hallo, beweg dich , 
gelebt und erlebt möcht ich  sein.

Das Böse taucht eh täglich später
als Nachricht erst auf und dann ein.

© Lisa Nicolis