.

10.11.22

Gedankenkarussell


Noch im zerfetzten Wolkentand
entblättert sich der Herbst,
beschreitet nassfüßig die Stadt
und mir entfließt das Pflaster wieder
in die Verzweigungen des Seins.
Mich schnürt die Enge meiner Welt.

Ich sollt mich festklammern
am Rest der Sonne,
mit ihr die Horizonte wechseln,
in eine Hoffnung untergehen,
dass ich noch Morgenröte atme
am Bruchstrich zwischen Nacht und Tag.

© Lisa Nicolis

1.11.22

Weben


könnte ich weben
würde ich weben
weben
sternende Nächte
über die Lider
über das Herz
blumige Weiten
Wellen mir weben
mit schaumweißen Saum
nur einen Tag lang
nur einen Tag
sollt ich dafür auch
das restliche Leben
entweben

© Lisa Nicolis

20.10.22

Herbst in Sicht


Hielt die Natur in Strahlenhänden
des Sommers wundersamen Duft,
wirbelt nun Wind aus Geisterhänden
den Rest des Sommers
durch die Luft.

©Lisa Nicolis


 

18.10.22

Gedicht zum Kaumwasgesehenbild

 

Es wäre schön,
es reichte mir
der Herbst die Hand
und führte mich paar Jahre noch
durch Eis und Schnee
zum Frühling hin,
noch oft in bunter Sommernäh‘
und wär es nur
in meinem schweren
Herbstgewand.

© Lisa Nicolis


17.10.22

Wetter


 

                 Wetterboten wettern Trübes
                      und es trübt sich auch die Sicht
                                los bricht      schlagartig
                          das Klopfen 

                                                wilder Tropfen
                         
                                          Simsgetrommel
                       
                               blindgetrommelt 
                                                      schon die Scheiben
               
                    scherbend sterben 
                                                  Blumentöpfe
                                         
            Köpfe hinter Fenstersprossen

                    Mienen 
düster                  
arg betroffen
                             vom dem Toben und dem Klopfen
                                            sturmgetrieb'ner Tropfen sind
                                     
                                                und der Wind
                                                           wild und stark
                            fällt die Tanne dort im Park

© Lisa Nicolis

13.10.22

Die Zeit lügt Herbst

Wieder verblättert die Zeit aus den Bäumen,
rostet oktobern nun vor sich hin.
Würde wohl schneeweiße Träume träumen,
wär sie so alt, wie ich es jetzt bin.

Verwirbeln würde ich bunt durch die Straßen,
Wehmut durchtränkt, in der Erde Schoß.
Hoffnung wär ich noch, Farb‘, dann verblassen.
Sie mimt den Herbst nur, ganz frech, alterslos.

© Lisa Nicolis

 

8.10.22

Ballast


In all den einsam- düstren Tagen
hab Ängste ich
in mein Versteck getragen.
Als ich dann sah,
wie viele sich ergaben,
wollt‘ ich damit
aus meinem inn‘ren Labyrinth
mich wagen.
Doch finden wir da niemals raus.
Auch unser Weg geht uns bald aus.

© Lisa Nicolis

27.9.22

Momentaufnahme

Ich stehe mir selbst müd im Wege,
den ich schon gegangen bin.
Die wartenden Brücken und Stege
die hoffe ich nur vor mich hin.
Mein Weg war schon immer recht bleiern.
Die Kraft, wie Ballast, blieb zurück.
Der Tag nun orakelt in Schleiern
von Zukunft, von Hoffnung und Glück.

© Lisa Nicolis

25.9.22

Heute Morgen


Ach, öffne noch nicht deine Augen
und sollt's auch schon morgen sein.
Ist sicherlich wieder ein Heute
mit herbstmorgenklar'n Sonnenschein.
Ein bisschen noch innenwärts weilen,
 schlaftrunken in mir, ganz allein…
Doch's Leben ruft, hallo, beweg dich , 
gelebt und erlebt möcht ich  sein.

Das Böse taucht eh täglich später
als Nachricht erst auf und dann ein.

© Lisa Nicolis

 

18.9.22

September

 

Wolken streu'n
ihr helles Grau
in das Blau.
Leise bringt ein frischer Wind
Erdgeruch. Die Farben sind,
wo noch scheu 'ne Rose blüht,
drin im Grün schon herbstversprüht.
Alles welkt devot, in Ruh,
einem kalten Winter zu.

© Lisa Nicolis

17.9.22

Der Herbst


Sonnenverloren, windgeboren, 
wolkenergraut, urvertraut
setzt der Herbst sich in alles Sein.
Schließt die Fenster, will trotzdem rein,
um auch in unsrer Seele zu sein.
Regenbenetzt, rostlaubigzerfetzt,
launig und frisch 
deckt er reichlich den Tisch. 
Fruchterntebereit, nach Vollsonnenzeit,
wird bedacht und versiert
blattgoldemailliert,
in herbstgoldnen Schalen serviert.

©Lisa Nicolis

3.9.22

Herbstgedanken

 



Jetzt gehst du, Sommer, nimmst auch deine Schwüle.
Das tut so gut, wenn ich auch Abschiedsschmerz erfühle.
Paar Sommer gibt's vielleicht noch zu erleben,
doch dich wird’s für uns so nie wieder geben.

Schon langt der Herbst hinein in Busch und Bäume,
entfärbt dein Farbenbunt, webt seine Träume
hinein in all das Treiben dieser Tage.
Willkommen Herbst! Werd‘ nicht auch du zur Plage.

© Lisa Nicolis