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23.5.23

Das offene Fenster

Hin und wieder schien es,

ich hätte etwas aufgebaut,

ein Schloss,

mal eine Hütte,

mal nur den Rahmen

für ein Fenster,

das in die Ferne schaut.

Sah diesen Sand,

den ich formte,

vom Winde verwehn.

Meine Schlösser,

meine Hütten,

meine Zeit

blieben selten stehn.

Waren aus Sand,

selbst der Sand

purer Traum.

Nur dieses Fenster,

erhaben

über meine Zeit, 

meinen Raum,

steht so lang

es mein Leben noch hält.

Ist mein offenes Herz

hin zur Welt.

© Lisa Nicolis

22.5.23

Gelbe Rosen


Die vollen Rosen hängen schwer
an ihren zarten Stängeln.
Sie wiegen träg sich hin und her.
Sie lösen sich gleich Engeln,
die müd aus ihren Himmeln fallen.

Die Blätter haben keinen Halt,
sie schweben in den Garten
in einen dunklen Zeitenspalt,
wo Blumenengel warten
und ihren Himmel gelb bemalen.

Lisa Nicolis

 

21.5.23

Kosmisches

Die Sonnenscheibe zersägt die Nacht, 
wir wandern kopfüber im All. 
Das habe nicht ich mir ausgedacht, 
ich habe auch sonst keinen Knall. 

Wir sind auch der Kosmos, das ist halt Fakt, 
ist komisch, es zu akzeptier'n, 
sind Partikel im rechten Milchstraßentrakt 
und könnten uns einmal verirr'n. 

Aus Orions Sicht sind wir gar nicht da,
nur Begriff von dem Kleineralsklein.
Wir Menschen allein sind der Ansicht nah,
wir könnten die Allmacht sein.

Die Unendlichkeit schluckt uns Tag für Tag,
das kann ja kein Sterblicher schau'n.
Wenn keiner von uns es auch hören mag,
sie könnt uns wann immer verdau'n.

Lisa Nicolis



Das Wort zum Sonntag
Nee, Leute, ich bin keine Weltuntergangsprophetin, keine Verschwörungstheoretikerin uns keine Diplomphilosophin. Aber bissle Philosoph sind wir doch alle. Und ich habe da noch eine Muse in mir sitzen. Meine sitzt nicht in einer Gehirnzelle. Da sitzt immer nur Erato, superqualifiziert. Meine heißt Meinemuse und sitzt im kleinen Finger. Hat immer ein wenig Fingerspitzengefühl und ist sozusagen selfmade. Sie ist immer präsent und sie treibt mich zum Unsinn. Also müsst ihr das Meinermuse ankreiden, nicht mir.
Hab ich "ihr" gesagt? Nein, du kreide es ihr an. Ihr kommt ja nicht vorbei, weil ihr nichts von mir wisst. Die Werbung fehlt, aber ich mache keine Werbung für das, was ich nicht besonders großartig finde. So plappere ich vor mich hin und ob es jemand glauben würde, oder nicht, danach ginge es mir besser, wenn nicht das Leben dazwischengrätschen würde.
Servus!😁
 

20.5.23

Mein Nimmdichnichtsoernst


Den Hättichgernfreund und Werdniemalsmehrhaben 
vermisseichmanchesmalsehr.
Im Herzendadrinsind Ausgeglichenheitsräume
schon wieder (noch immer) recht leer.

Ist keiner, der hilft dieses Lebensflussschwergewicht 
endlichgemeinsamzutragen,
so muss ich den Restmeinesirdischenlebens
mit stoischer Ruheertragen.

Ichm üsstejet zteigen tlichbes sera ufpasse n,
wiei ch al leW orte hiersetz,
doc hhabeic hheutesog ark eineL usta 
ufdiesd oofSchreibere igesetz.

Hurra, in dem nervigen Buchstabenwirrwarr 
partout für gewisse Stunden,
hab ich dann mit Mühe und Not 
meinen Bestfriend auch wieder gefunden.

Lisa Nicolis

Mein leichter Anflug von Dadaismus.
Liebe Karin, dazu musst du dich nicht bemühen😉.Mir fehlen auch die Worte😂

19.5.23

einfach vergessen

wie wär es
ich trete hinaus
durch alle Türen

vergesse die Angst
drin im Tagebuch

oder im Hauch
einer Erinnerung

vielleicht an einem andren Ort
oder überhaupt

ich lege sie
in meine Handtasche

da ließe sie sich
schwer finden
auch wenn ich sie
mit mir
über alle Schwellen trage

© Lisa Nicolis

18.5.23

Abends am See

Die Luft schmeckt nach Frühling und See.

'ne Wolke hat kurz ein Gesicht.

Am Waldrand ein scheues Reh

schnuppert das dämmrige Licht.


Die Boote, gekettet am Steg

schaukeln störrisch gluckernd die Ruh.

Der Wind kommt am Wasserweg

abendkühl leis auf mich zu.


Der Mond hängt ganz müde am Baum

sein Licht nur entflutet ihm frei.

An Weiden, durch Wasserschaum,

ziehen still Schwäne vorbei.


© Lisa Nicolis

17.5.23

Gestrandet


Der Sehnsucht Stille lag
im Wellenrauschen
und ihre Tiefe war mein Höhenflug.
Bis mich im Sturm
das Hoch der kühlen Welle
in meine eigne dunkle Tiefe trug.

© Lisa Nicolis

13.5.23

Guten Morgen!


 Neuer Morgen

Aus den Zweigen
früh am Morgen
löst ein Zwitschern sich
zu mir
und zur zarten
Morgenröte
findet sich
der Tag zu ihr.
Schwer noch lähmt
die Nacht die Lider,
Stimmen
schwirren durch die Luft.
Fenster öffnen!
Tief durchatmen
-stadtgetränkten
Lebensduft.

© Lisa Nicolis

12.5.23

Baustelle


          aus dem Fenster schau ich
          nicht mehr die Schriftgröße
          auch wieder zu klein die
          Platten liegen mir im
          Magen der Hof braucht
          sie nicht und der Nachbar 
        hängt die Hundematte
          auf das Schutzgitter wenn
          ich am Fenster stehen sollte
          fallen meine Blicke eh in Würfeln
          zerlegt über die Stäbe ins Nichts
          der Mai aber zieht hundertfach
          buntes Beikraut aus dem Schutt

            Lisa Nicolis

Unserem Hof gewidmet, der seit drei Jahren in Schutt und Asche dahindümpelt, als Pendant zum Berliner Flughafen, nachdem man die drei Tannenbäume und das Hochbeet beseitigt hat. Die Natur allein arbeitet und macht mir jeden Tag die Freude, ein neues Unkrautblümchen, pardon, ein neues Beikrautblümchen auf dem Erdhaufen, den Bauresten zu entdecken.

11.5.23

Einen schönen Tag dir!

Die Brombeerenmär

Der Brombeerenbär liebte Brombeeren sehr,
drum fiel er so gern über Brombeeren her.
Da sagte 'ne Brombeere, Brombeerenbär,
ich bilde ab heut eine Brombeerenwehr
und Brombeer'n vernaschen wird für dich dann schwer.
Der Brombeerenbär sagt, nadann, bitte sehr,
 ich räum jetzt erst recht alle Brombeeren leer.
Die Worte die flogen ganz bös hin und her,
von Brombeere hin zu dem Brombeerenbär.
Am Ende da war in dem Brombeerenmeer
keine einzige Spur von 'ner Brombeere mehr.
Die Saison war zu Ende.

Lisa Nicolis

9.5.23

Natur

Sonne

atmet meine Haut.

In meinen Ohren

wohnt der Wind.

Im Blick ist tief

ein Bunt gefangen

Nach frischer Erde

schmeckt das Hier.

Ein Blütenmeer

verrieselt sanft.

Es flüstert

Freiheit pur in mir.

So leuchtend spinnt

der Mai mir heut,

aus gras’gen Düften,

bunten Garn

zu meines Sinnes

leichtem Kleid.

© Lisa Nicolis

6.5.23

Sonne


Die Sonne hat die Kraft,
den Horizont zu erweitern,
dich zu erheitern,
dir Freude zu geben,
dich aus den Tiefen zu heben,
dir Düfte zu schenken,
dich mit Licht zu tränken,
all die Schatten zu bewegen,
damit sie sich nicht auf deine Seele legen.

Lisa Nicolis