.

15.10.24

in Gedanken versunken


entzweit
entdreit
entixtfacht
endlos zermürbt
den Feinstaub eingeatmet
den Rest aufgesaugt
alles Keks

Lisa Nicolis

 

14.10.24

Agoraphobie


sie redeten die Angst mir ein
das Selbstbewußtsein aber aus
bis selbst mein Mut sich beugte
jetzt reden sie den Mut mir zu
doch wurzelte die Angst im Zimmer
und das Gestrüpp vor meiner Tür
ist viel zu dicht

Lisa Nicolis

13.10.24

Ein Blatt im Wind

Ich seh die Blätter durch den Morgen gleiten,
zum Teppich aus Erinnerung an helle Zeiten,
wie'n Lächeln, an den kühlen Wind verloren,
aus einer Wehmut und erfülltem Sein geboren.

Ein Blatt, wie'n kurzer Augenblick der Zeit,
ein Hauch aus allem, was an uns noch übrig bleibt.

 

12.10.24

Schenke ein Lächeln

Abneigung, Hass

sind Bürden,

die deine Seele 

tragen muss,

nicht die

der Verhassten,

nicht die deiner Feinde.

Das Lächeln,

dass du den andern schenkst,

ist ein Geschenk

an sie,

ist Licht,

 das auch dich selbst erhellt.

©Lisa Nicolis

7.10.24

Fensterblick


In Brauntönen schweben 
Gedanken mir zu
aus den Bäumen.
Oktober setzt bunt sich
in allen Verstecken nun fest.
Das Blechschaf
wird heut noch 
die Wildblumenwiese räumen,
der Herbst baut in sonnmüden Ästen
sein dürftiges Nest.

Und irgendwann 
sind all die Kronen
geplündert von Wetter und Wind.
Die Blicke greifen dann blattfrei
und inquisitiv dahinter.
Dahin, wo des Sommers
die Dinge verborgen sind
und wo schon in Allem
sich rüstet der Winter.

Lisa Nicolis

6.10.24

Bastelstunde


Werde die Stunde in Stücke reißen,
diese mit leuchtendem Garn verzwirbeln,
die Minuten ornamentalverwinkeln,
und ins Sekundenhelle mich schmeißen.

Farbbaden werd ich, suhlen in Formen,
freischwimmen mich von den Alltagslasten,
blindlinks durch mein Gebilde mich tasten
ohne Vorbehalte und Normen.

@Lisa Nicolis


5.10.24

Abendstern


 Abends holst du meine schönsten Träume,
wenn du, Abendstern, durchs Fenster schwebst.
Du berührst so still die Seelenräume,
wenn du mich zu deinem Leuchten hebst.

Und ich schwebe fort, vorbei an Sternen, 
durch ein Nebel und durch Raum und Zeit.
Gibst mir Zuflucht, hoch in deinen Fernen
und mein Herz wird siebenhimmelweit.

© Lisa Nicolis

3.10.24

Im Wald


 Über mich ein Baldachin. 
Äste greifen ineinander, 
flüstern Heimliches sich zu 
und ich lausche mittendrin 
wie der blattgrüne Kompander 
Hektik dämmt zu milde Ruh.

Lisa Nicolis

2.10.24

Oktober


 Jaulendes Rütteln am Fenster.
Wolken tropfen die Scheiben blind,
von hier oben betrachtet.
Von hier oben betrachtet,
pilzformgetarnte Wesen
schleichen kopflos vorüber.

Bleigrau der Tag, trägt sein Gesicht
triefend in Herbst gehüllt
sonnenscheu, farbmüde.
Sonnenscheu, farbmüde,
drehen die Stunden
weiter hinaus aus dem Sommer.

Windringelspiele wirbeln
blattlos die stämmigen Bäume,
wundergeschwängert schon.
Wundergeschwängert schon,
sehnt sich die Erde wieder
nach flaumiger Ruhe.

© Lisa Nicolis

26.9.24

Herbstzeit

 Die alte Frau ihre Fäden spinnt
und der Herbst steht zum Weben bereit.
Das Wolkentuch greift der kalte Wind
und sie spinnt gold'ne Fäden, die Zeit…


© Lisa Nicolis

25.9.24

Augen


 Die Augen schwimmen in Tränen,
ertrinken in Traurigkeit.
Der Befund widerspricht:
"trock'ne Augen".
Hilft ja nix,
doch jetzt weiß ich Bescheid.

Lisa Nicolis

24.9.24

Nachrichten

 

die Nacht fliegt davon, 
die Träume ihr nach
beim morgigen Atemholen 
schon wieder realitätswach
schlägt der Tag seine Wellen 
aus w.w.w.weiten Quellen

wenig Wasser zum Trinken
genug zum Ertrinken

Lisa Nicolis