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21.5.26

Ich möchte


 
Ich möchte
aus meinem Ich hinaus
in den Frühling schreiten,
mir pflücken den Duft
seiner Weiten,
in meine Seelenschale
die Farben legen,
sie zu neuem Bild beleben.
Unter dem Flügelschlag
bunter Libellen
ließ ich in seichten Wellen
Halme sich wiegen
und würde dann
lautlos darunter liegen.
Wie ein sorgloser Quell
möcht ich
den Frühling durchfließen
-wenn diese Wände mich ließen.


© Lisa Nicolis

20.5.26

Quelle



 
Quelle

Es glitzert
ein verlor’ner Himmel
sonnensilbern
in deinem klaren Kräuseln.
Mich dürstet es
nach monotonem
Plätschern,
nach feuchterdiger Frische.

Die Lauterkeit werd ich
dir trüben,
dich schöpfen
und trinken werde ich
den Wald,
der sich in deinem
Spiegel wiegt.

© Lisa Nicolis




in meinem kopf



in meinem kopf

in meinen ohren rauscht der wind
es sprießen bäume 
in meinem kopf
 es wurzeln wälder 

gedanken rauschen 
wie steile bäche
ins leere

zwischen den wänden 
und der decke
werden die blicke
weite wege
 so ausweglos
und doch so nah
 zu wunderbunten horizonten

aus meinem schleudersitz der fantasie
fall ich am rande dieser welt
in einen wolkenbett
um so das rund
aus den quadratisch steifen engen
zu ent... decken.


Lisa Nicolis




Meeresrauschen


 
Meeresrauschen

Ich kenne
dieses ruhelose Flackern
in deinen dunklen Augen
-ein Meer,
das schäumend sich
auf stille Klippen wirft.
Mit langen Wellen, wild,
aus irgendeinem seichten Grund,
nach hohlen Muscheln greift,
auch wenn in seinen Tiefen
sich schwarze Perlen runden.

Und bin ich deiner Unrast
graue Klippe nur
und loser Sand,
der unter deinen kalten Wogen treibt,
so bin ich dir
auch stiller, warmer Strand,
der dich vom Überlaufen hält,
bis du in deinen Tiefen ruhst
und ich in dir
mich widerspiegeln werde.


© Lisa Nicolis


19.5.26

Zitronella



Ich bin einfach zu schön,
um sauer drein zu seh'n,
das Saure bleibt nur steh'n,
um süßer auszuseh'n.

Das Versteck


Manchmal birgt ein Gitter die Einsamkeit,
die das Suchende zu finden erwartet.
Manchmal versteckt sie sich auch
hinter dem Tor,
als wäre gefunden werden gefährlicher,
als verloren sein.


Lisa Nicolis

18.5.26

Im Wolkenland



Im Wolkenland

Im Wolkenland da tragen Bäume Wolken.
Auf einem Ast da würd ich gerne sitzen,
dem watteweichen Treiben um mich folgen
und zuseh'n, wie die Wolken alle blitzen.

Im Wolkenland sind Blitze zwar behende ,
doch sind sie nur ein wundervolles Scheinen,
da fühlt man sich in Gottes lieben Hände,
wenn zwei der rosa Wolken sich vereinen.

Das Donnern ist ein harmloses Geraune,
man knüpft damit nur himmlisch schöne Bande.
Hier bricht man nie 'ne Feindschaft so vom Zaune,
man lebt ja schließlich still im Wolkenlande.


Lisa Nicolis

17.5.26

Das blaue Bild




Bild in Blau

In schon ganz  leicht dämmernder Stunde
tanzt sie noch froh durch's Blühen eine Runde.
Ihr Kleid, ein Traum, ein Kunstwerk ist in blau,
trägt Spitzen und auch Rüschen hier zur Schau.

Das Bild, es schimmert mild wie eitle Seide,
so wolkenfrei, verwobner Glanz im Kleide
des Himmels, zauberhaft und wolkenweich,
als wäre es ihr traumhaft blaues Reich.

Die Farben fließen hin und leicht verwehen,
die Schönheit bleibt tanzend bestehen,
ein Zauber ist's aus Spitze und aus Licht,
den selbst die Zeit im Hier nicht mehr zerbricht.


Lisa Nicolis

Gedichte zu Bildern zu schreiben ist schon eine knifflige Sache.

16.5.26

Das Tor zum Licht


Aufrecht, erlöst
dem Ziel eines Weges
in Demut entgegen,
um zu der Ewigkeit finden,
und du zögerst auch nicht..
Bald,
hinter himmlischen Rätseln
und Wolkendickicht,
ewige Heimat finden.
Nach einer Reise
durch dieses Leben,
mit dir selbst im Einklang
-durch das Tor in das Licht.


Lisa Nicolis


15.5.26

Blau- gold



Blau- gold

Zwischen Blau und Gold
trägt sie das Schweigen
wie einen verborgenen Schmuck.
Das Licht berührt ihr Haar,
nicht die Schatten darunter.
Die Farben sprechen lauter
als ihre Augen.


Lisa Nicolis

14.5.26

Mein ist Moment



Mein ist Moment

Wie ein verwundetes Tier
hängt die Sehnsucht nach Ferne
am Nagel des Seins
und die Wände trinken mich auf.
Meine Träume
stoßen die Flügel sich wund
an dem Raumfirmament
und sie fallen zu Hauf
in das Herz mir zurück,
ungeträumt.
Könnt ich dann,
durch 'nen Riss in der Wand,
einen Pfad in die Freiheit noch finden,
trüge ich, lange aufgestaut,
all die verborgenen Tränen wohl mit
unter der Haut.


Lisa Nicolis


 

9.5.26

Das späte Gedicht zum Frühling



Das späte Gedicht zum Frühling

Bald wird die Sonne wieder
der Veilchen Bläue weiden
und Hoffnung steht in voller Blüte da.
Ein jeder Tag dem nächsten
wird bunte Düfte neiden,
der Nächste rückt dem Frühling
doch wundersam so nah.

Der Lenz mit weichen Pinseln
wird Lebensfarben malen
in jedes wintermüde und fahle Angesicht
und alle Lebensräume
mit Himmelslicht bestrahlen,
das aus den Götterfernen
mit Wärme zu uns bricht.

Noch liegt des Winters Schatten
wie’n Lid, auf Augentiefe,
drin ruht ein See voll Liebe
und ruht in voller Glut.
Mir ist, als wenn Dornröschen
in unsren Seelen schliefe,
Prinz Frühling schenkt ihr bald schon
aufs Neu den Lebensmut.


© Lisa Nicolis