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9.7.20

Schweben



Im Nirwana, lichtjahrferne,
schwebt im roten Orionnebel,
losgelöst im Glanz der Sterne,
sanft mein Floß mit weißem Segel.

Hab mich über Bord geworfen
und nur meinen Geist behalten.
Sonnenwind hat mir geholfen,
meine Schwingen zu entfalten.

Liege schwerelos im Schweben,
werde mich nun treiben lassen.
Hab kein Durst nach Erdenleben,
bleibe hier auf milch’gen Straßen.

Weck mich nicht aus meiner Sehnsucht.
Lasst mich einfach weiterziehen.
Gönne mir der Sterne Zuflucht.
Wie ein Stern möchte ich verglühen.

© Lisa Nicolis

8.7.20

Hexenstaub


Belanglose Worte. Die Wahrheit -verbogen,
um dich von Gefühl’n zu entbinden.
Vielleicht komm ich einmal durch’s Dunkel geflogen
und werde dich trist und alleine wohl finden
und werd’ dich mit Zauber umwinden.

Ich werde mich hinter dem Spiegel verstecken
und tief in die Augen dir sehen.
Ich werde mir heimlich dein Fühlen erwecken
und werde dein Inneres leise begehen.
Du wirst dich dann selbst nicht verstehen.

Dann streu’ ich den Hexenstaub über dein Denken.
Du wirst ihn nicht sehen, nur fühlen.
Ich werde mich wieder dem Abend verschenken.
Du wirst in dein Kissen benommen dich wühlen
und wirst endlich Sehsucht verspüren.

© Lisa Nicolis (1993)

7.7.20

Nur virtuell…



Schenke euch ein Bild zum träumen.
Wollte es mit Blumen säumen
und mit einem Schmetterling
aus Metall und aus Bling- Bling.

Leider ist es
prinzipiell,
nicht real,
nur virtuell.

-Jetzt vor Zorn nicht Feuer spucken!
Jeder Drucker kann’s dir drucken…
Und dann wird es prinzipiell
fingerfassbar. Fast reell.

Fühl’n willst du auch’s
Blatt, den Klee.
Drucke es
halt in 3D.

© Lisa Nicolis

2.7.20

Welten



Blumige Wiesen
waren sie
die Tage damals
und rosige Welten
und trugen
Namen wie Sterne
Liebe hießen sie
und hießen Sehnsucht
und hießen Verlangen
du nanntest sie
Montag 
Dienstag
Mittwoch…

© Lisa Nicolis

1.7.20

Gedeckter Tisch


Und zu meinem Bild hatte ich auch noch einen Gedankenblitz:

Ein Vogel sitzt auf einem Zweig.
Wo soll er sonst gesessen haben?
Er zwitschert. Ja, was soll er sonst?
Denn krächzen können nur die Raben. 

Singt er ein Lied? Ist’s nur ein Quatsch?
Wer kennt sich aus in dem Gezwitscher?
Durch den Gehörgang flutscht sein Sang
wie himmlisch süßes Seelenglitscher. 

Und warum klingt des Rabens Ruf
wie eine schlecht gestimmte Saite?
Na, dass er eben nur ins Ohr
und nicht bis in die Seele gleite. 

© Lisa Nicolis

30.6.20

Nachtgedanken


Ruhlos pflügen die Gedanken
mir den Acker dieser Nacht.
Bleich der Mond fällt aus den Wolken,
hat mein Denken hell gemacht.

In den Bäumen vor dem Fenster
wo ein weißer Engel lag,
schlummert in des Kirschbaums Blüten
müd jetzt der vergang’ne Tag.

Ruhelos wie die Gedanken
fließt dahin der Wolken Band.
Hin und wieder blinken Sterne
himmelweit von Rand zu Rand.

Irgendwo in den Gemäuern
dieser Nacht wird es jetzt laut.
Hoffe, dass der weiße Engel
hier mal nach dem Rechten schaut.

© Lisa Nicolis

24.6.20

Unter den Linden


Die Linden blüh'n.
 Blattsilben flüstern
Geschichten,
herztief und junigrün.

Schon oft vernommen,
Geschichten, so lind,
so alt
wie Erde und Wind.

Immer noch neu,
wie alt ich auch bin.
Und doch
-auch vergänglich
wie Sommer
herbsthin.

Geschichten
mit blühenden Zauber
im tanzenden Licht,
das über
die Zweige bricht.

Entschweben jetzt,
ganz leise bleiben
im Blütentreiben,
um meinen Himmel zu finden.
Und ringsum
nur Linden,
nur Linden…

© Lisa Nicolis

Den schönsten Linden bin ich in diesem Sommer begegnet.
Dieses Grün im Licht der Morgensonne hatte ich noch nie vorher gesehen.
Oder ich schaute hin, ohne zu sehen. Was wir gerne immer wieder tun,
weil es uns nicht bewusst ist, wie vergänglich alles ist.

21.6.20

Die Wegwarte



Manchmal ruhn in meinem Garten
Elfenkinder, die da warten,
dass die Elfe, die beharrte,
rein zu schaun zur Wegewarte,
endlich, falls nicht wegverirrt,
wieder in Erscheinung schwirrt.

© Lisa Nicolis

In Erinnerung an meine liebe Ingrid, die die schönste Wegwarte der Welt in ihrem Garten hegte und pflegte. Vielleicht sieht dein Stolz von oben, meine liebe Ingrid, noch viel schöner aus.

13.6.20

Im Gehölz



Im Gehölz auf dunklen Pfaden
helle Hände der Dryaden
tragen Lichter in die Bäume
und den Zauber bunter Träume.

Hier im Wald möcht ich sie trinken,
Strahlen, die ins Laubwerk sinken,
weitgereist und Gott gesegnet,
bis es dunklen Abend regnet.

© Lisa Nicolis