Die Baumfrau
Aus mir heraus wächst ein Baum,
verästeln sich auch alte Träume.
Ich schließ meine Augen kaum,
verwurzelt schon Zeit meine Räume.
Die Rinde kennt und verschwieg
schon stets jede Narbe und Namen.
Und wo die Erinn'rung blieb,
begannen die Blüten zu atmen.
Mein Haar verlor sich im Wind,
war Zweig und war Ast, dürre Ranke.
Und da wir vergänglich sind,
blüht manchmal nur still ein Gedanke.
Ich steh zwischen Jetzt und Einst,
bin Frau und bin Baum, golddurchzogen.
Wenn du mich zerbrochen meinst,
wird ein neuer Zweig mir geboren.
Lisa Nicolis

