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18.5.23

Abends am See

Die Luft schmeckt nach Frühling und See.

'ne Wolke hat kurz ein Gesicht.

Am Waldrand ein scheues Reh

schnuppert das dämmrige Licht.


Die Boote, gekettet am Steg

schaukeln störrisch gluckernd die Ruh.

Der Wind kommt am Wasserweg

abendkühl leis auf mich zu.


Der Mond hängt ganz müde am Baum

sein Licht nur entflutet ihm frei.

An Weiden, durch Wasserschaum,

ziehen still Schwäne vorbei.


© Lisa Nicolis

17.5.23

Gestrandet


Der Sehnsucht Stille lag
im Wellenrauschen
und ihre Tiefe war mein Höhenflug.
Bis mich im Sturm
das Hoch der kühlen Welle
in meine eigne dunkle Tiefe trug.

© Lisa Nicolis

13.5.23

Guten Morgen!


 Neuer Morgen

Aus den Zweigen
früh am Morgen
löst ein Zwitschern sich
zu mir
und zur zarten
Morgenröte
findet sich
der Tag zu ihr.
Schwer noch lähmt
die Nacht die Lider,
Stimmen
schwirren durch die Luft.
Fenster öffnen!
Tief durchatmen
-stadtgetränkten
Lebensduft.

© Lisa Nicolis

12.5.23

Baustelle


          aus dem Fenster schau ich
          nicht mehr die Schriftgröße
          auch wieder zu klein die
          Platten liegen mir im
          Magen der Hof braucht
          sie nicht und der Nachbar 
        hängt die Hundematte
          auf das Schutzgitter wenn
          ich am Fenster stehen sollte
          fallen meine Blicke eh in Würfeln
          zerlegt über die Stäbe ins Nichts
          der Mai aber zieht hundertfach
          buntes Beikraut aus dem Schutt

            Lisa Nicolis

Unserem Hof gewidmet, der seit drei Jahren in Schutt und Asche dahindümpelt, als Pendant zum Berliner Flughafen, nachdem man die drei Tannenbäume und das Hochbeet beseitigt hat. Die Natur allein arbeitet und macht mir jeden Tag die Freude, ein neues Unkrautblümchen, pardon, ein neues Beikrautblümchen auf dem Erdhaufen, den Bauresten zu entdecken.

11.5.23

Einen schönen Tag dir!

Die Brombeerenmär

Der Brombeerenbär liebte Brombeeren sehr,
drum fiel er so gern über Brombeeren her.
Da sagte 'ne Brombeere, Brombeerenbär,
ich bilde ab heut eine Brombeerenwehr
und Brombeer'n vernaschen wird für dich dann schwer.
Der Brombeerenbär sagt, nadann, bitte sehr,
 ich räum jetzt erst recht alle Brombeeren leer.
Die Worte die flogen ganz bös hin und her,
von Brombeere hin zu dem Brombeerenbär.
Am Ende da war in dem Brombeerenmeer
keine einzige Spur von 'ner Brombeere mehr.
Die Saison war zu Ende.

Lisa Nicolis

9.5.23

Natur

Sonne

atmet meine Haut.

In meinen Ohren

wohnt der Wind.

Im Blick ist tief

ein Bunt gefangen

Nach frischer Erde

schmeckt das Hier.

Ein Blütenmeer

verrieselt sanft.

Es flüstert

Freiheit pur in mir.

So leuchtend spinnt

der Mai mir heut,

aus gras’gen Düften,

bunten Garn

zu meines Sinnes

leichtem Kleid.

© Lisa Nicolis

6.5.23

Sonne


Die Sonne hat die Kraft,
den Horizont zu erweitern,
dich zu erheitern,
dir Freude zu geben,
dich aus den Tiefen zu heben,
dir Düfte zu schenken,
dich mit Licht zu tränken,
all die Schatten zu bewegen,
damit sie sich nicht auf deine Seele legen.

Lisa Nicolis

30.4.23

Manchmalmond


Ein paar Quadratmeter großer Himmel in Sicht. 
Natürlich, wenn er sich wieder zeigt und nicht 
anderweitig beschäftigt ist, seh ich den Mond. 
Bis diese Häuserschlucht, in der man wohnt, ihn mir frisst.
Heut leuchtet er mit der Venus synchron, Ton in Ton,
über dem Arbeitsgericht, im Hof gegenüber.
Ich hole ihn heute vom Himmel, 
ich bau ihm ein Nest aus frisch blühendem Geäst
und hänge ihn morgen wieder mit etwas Glück, zurück 
an den Himmelsnagel.
Ein wahres Mirakel.
Er müsste nicht ständig um die Erde kreisen, ihr die Treue beweisen.
Es wäre einfach nur schön, 
wenn ich ihn abends da drüber hänge. 
Dann würdest du, morgen zur Nacht, zusammen mit mir, 
ihn etwas länger sehn.

Lisa Nicolis

24.4.23

Morgens



das Fenster breitet die Flügel aus
an mir vorbei
läuft täglich der gleiche Weg
um die Ecke
nach Süden

dort verzweigen sich meine Gedanken
in Palmenhainen
und die Gefühle
erkunden
wie immer
die Höhen und Tiefen 

ein Flugzeug bohrt sich
ins Blau
jetzt legt sich der Weg
in sich selbst zurück
und meine Sehnsucht
malt Kondensstreifen 
auf den Himmel

Lisa Nicolis

22.4.23

Zum Glück können die Gedanken wandern


Die Sonne scheint, die Weite lockt,
die Wand treibt wieder Blüten.
Wird wieder Eine, die da hockt,
die Wände treu behüten.

16.4.23

Einen lieben Gruß in die Welt!



Die Botschaft

Gedichte sind Bauten
aus Silben und Worte
zusammengesetzt.
Sie strahlen in Farben,
sind schillernde Orte
mit Säulen besetzt.

Genial- schöne Schlösser,
Fassaden aus Glimmer,
Reflexen von Licht.
Doch wäre es besser,
da drin wäre immer
ein Wesen, das spricht.

Ich streune durch Räume,
die hohl und befremdend
ich fühl.
Ob ich was versäume,
in Unverstand endend,
weil ich niemand spür?

Und dring ich in Häuser
mit marmornem Boden,
nichts sagendem Raum,
bin ich auch nicht weiser
und bin drin verloren.
Vergeblicher Traum…

Doch liegt eine Botschaft
am Fuße der Treppen
zum prunkvollen Haus
dann hast du’s geschafft,
mein Verständnis zu wecken.
Jetzt kenn ich mich aus.

© Lisa Nicolis

2.4.23

Zuhause

 

In meinen Gedichten
bin ich zuhause.
Hier darf ich mich hineinträumen.
Vom Winde mich holen lassen.
Mich versamen,
verpflanzen,
aufgehen in allen Jahreszeiten
-wenn auch nur als winziger Grashalm
auf meiner Seelenwiese,
als Mooskissen am Fuß einer Buche
in meinem Seelenwald,
als sterngepflückte Flocke 
in meiner Welt,
wo ein Dezember sich noch immer
in die Weihnacht schneit.

Lisa Nicolis