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13.7.25

Da stehen

 



Da stehen, ist in Ordnung.
Dumm dastehen, weniger.
Wie stehe ich dann da,
wenn ich wieder nur da stehe,
ohne gut dazustehen?


© Lisa Nicolis

12.7.25

Abends




Wieder spinn ich bunte Fäden
und dann jeden
die Gedanken mir verweben
zu `nem wohlig frischen Tuch,
voller blumigem Geruch.

-Duftttabak und wilde Kräuter...
Traumverhangen, sachte streut er,
in versunk'ner Sonne Rahmen,
gold'ne Samen
dieser seichte Abendschimmer.

Andächtig und still, wie immer,
schöpf aus himmelsdunklem Blau
ich ein ew'ges Sternenahnen
hinter Großstadtlichterbahnen,
sitzend hier im Erdengarten,
wo die warmen Nächte warten,
dass ein Windeshauch sie kühlt.

Lisa Nicolis

 

11.7.25

Alltag

 


„Komm, Alltag, nimm mich an der Hand
und gehen wir spazieren.
Paar Schritte weiter übers Feld,
dahin lass dich entführen.

Zum Rummelplatz, da möchte ich hin,
wo ich sonst nicht so gerne bin.
Doch heute lass dich führen.
Komm, beide gehen wir aus 
und schnurstracks, lieber Alltag,
sind wir im Spiegelhaus.

Siehst du, wieviel Gesichter an einem Alltag sind?“
„Dann führ mich öfter aus, mein langweiliges Kind!“

Lisa Nicolis

10.7.25

Fernweh



Irgendwie braucht mein Träumen
viel Himmel und See.
Klein ist mein Platz
hier im Raum,
wo ich steh.
Bau mir dann Brücken,
bis weithin
zum Horizont,
wo meiner Sehnsucht
Erfüllung wohl wohnt.

© Lisa Nicolis

9.7.25

Die Entscheidung



Wie brichst du dich entzwei,
wenn deine Schmerzen toben,
doch andre lauter sind?

Auf welche Wunden
legst du deine Hände?
Auf fremde?
Wenn deine näher sind?

Bist du dem Gott,
bist du dir selber teurer?
Oder sind nebenan
die Schmerzen
ungeheurer?

Wie brichst du dich entzwei,
dass du ein Ganzes bleibst,
obwohl du dich zu Scherben leidest?

Wie wiegst du Leiden auf,
ohne dass du’s Gewissen
in die Enge treibst?

Dann ebbt durch
deiner Hände Wärme
dieses Klagen.
Und weil des andren Schmerzen
so eng an deinen lagen,
fließt auch dein Atmen klarer jetzt
und ist die Antwort
auf die Fragen.

Lisa Nicolis

Wenn jemand um Hilfe schreit und du selber Hilfe brauchst, was machst du dann?

8.7.25

Agoraphobisches


Als heut die Straße sich
in meinem Blick verfing
und freudig,
nach so langer Zeit,
auch meinen Herzschlag tönte,
ließ ich mich
heldenhaft und sachte
von ihr
die Häuser lang begleiten
und suhlte mich
in ihrer sonn'gen Endlichkeit,
bis sie mich um die Ecke brachte.
 

© Lisa Nicolis

7.7.25

Das Lächeln



Komm, kannst du mir bloß
ein Lächeln vergeben?
Und wäre es falsch,
ich hätt nichts dagegen.

Denn wenn du mir lächelst,
dann bist du mir nah.
Kein Lächeln bedeutet
–es ist keiner mehr da…

Lisa Nicolis

6.7.25

Julischwüle

 


Im Mond hat sich ein Stern verfangen,
`ne Wolke sitzt am Schornstein fest.
Im Kirchturm Glocken müd verklangen,
da baut ein Flugzeug jetzt ein Nest.

Ein Leuchten springt aus allen Fenstern,
ein Strahl bricht grad sich das Genick.
Das Martinshorn, beliebt bei Gangstern,
blöckt in die Stille einen Knick.

Die Julinacht ist schweißgebadet,
die Luft steht wassrig ringsherum,
da schwimmt ein Fisch ganz unbeschadet
vorbei. Jetzt wird es mir zu dumm.

Die Nacht steckt feucht in allen Ecken,
`ne Lampe spuckt den Hof voll Licht.
Der Irrwitz spielt mit mir Verstecken,
in diesem surreal'n Gedicht.


© Lisa Nicolis

5.7.25

Aufbäumen



Auf dem Weg zum Verständnis
-kein Ziel in Sicht.
Der Ärger streut seine Stolpersteine
und ich stolpere ins Aufbäumen,
bis ich aus allen Wolken falle.
Der Ahorn vor meinem Fenster nur
menschelt vor sich hin.
Auf Bäumen ist Verlass.

Lisa Nicolis

3.7.25

Wer ihn nicht kennt, soll ihn nicht suchen


Zwölfhundert Stundenkilometer sind's durch den Äther.
Sie reißen die Tür auf (ja, wie sind denn die drauf?)
und schubsen mich in die TropopAUse.
Jadann, Lisa, sause, so sause 
durch die Tro- oh- oh- posphäre,
kollidiere mit all dem A- ah- ah- rgon
und dem O- oh- oh- zon
- eine Chimäre 
vorbei an dem Stoff, an dem du 
fast ersti- ick- ick- ickst,
☁☁ bin benebelt,
verwirrt mein Geist,
❄❄❄ mein Blut ist vereist.❄❄❄
Verflixt!

Am Ende wirds nett,
ich lande im Bett.
Und prompt 
staunt alle Welt,
woher das Empfinden kommt,
dass man 
von Himmel fällt?

Mein jämmerliches Gewinsel,
ich Einfallpinsel, 
verrät allen doch
-es ist ein 
Lagerungsschwindel.

L A G E R U N G S S C H W I N D E L
L A G E R U N G S S C H W I N D E L
L A G E R U N G S S C H W I N D E L

***
Merke, mein Freund,
darfst deinen besten Feind 
beschimpfen,
doch unmenschlich wär es,
ihm einen Lagerungsschwindel 
zu wünschen.
***
Wärs nicht so peinlich würde ich mit Lisa Nicolis zeichnen.


Okay, so fühlt es sich an, bei einem Lagerungsschwindel, als ob man aus 10.000 Metern fällt, ohne Fallschirm, ohne Engelsflügeln und ohne marypoppinsschen Eigenschaften. Und dazu mit Flugangst. 
Dann ist plötzlich diese Frau Doktor da (habe wahrscheinlich zu laut geschrien, als die Lage schwindelig war😂). Sie setzt mich auf die Mitte der Bettkante, nimmt mein Gesicht zwischen ihre Hände, dreht meinen Kopf leicht nach links und schubst mich nach rechts mit aller Kraft auf die Bettkante (nachdem sie  vorher Aufklärung geleistet hatte und Ermutigung zum Masochismus gab). Lagerungsschwindelbewältigungstherapie. 
Ich lande gefühlsmäßig nicht auf der Bettkante, sondern in der Hölle und von dort wieder in alle sonstigen Sphären. Ich rufe den lieben Gott an und bitte lautstark um Hilfe. Erst nach viel zu vielen Sekunden werde ich wieder eins mit dem Bettrand. Dann das gleiche Ritual, nur in die entgegengesetzte Richtung. Mit dem gleichen Horror in den Knochen. Sie schubst mich immer wieder aus dem Flugzeug (damit sich die Kügelchen im Ohr zurechtkugeln) und wenn ich aus dem Koma erwache, kriege ich jetzt jedesmal einen Lachanfall. Ich stelle mir dann vor, mit welch irren Blick ich die Frau Doktor wohl anstarre, wenn ich grade bettrandig lagerschwindele. Das Geschubse ist eigentlich lustig. Nur wenn ich am Bettrand lande, kommt ca 15 Sekunden lang diese ekelhafte Schwindel. Wenn der Schwindel aber verschwindet, dann verschwindelt er auch und ich darf auch wieder lachen.
Ich soll das nun jeden Tag selbst, unaufgefordert, freiwillig wiederholen.
Leider wird dieser Lagerungsschwindel in gewissen Abständen wiederkehren, sagt sie kleinlaut.
Ergo, ich soll diesen gegenwärtigen Lagerungsschwindel wach halten, bis der nächste kommt? Nicht froh sein, dass er nur bei bestimmten Kopfbewegungen auftritt, sondern jeden Tag -zigmal den Horror durchleben mit der "Eigentherapie"?
Nee, das tue ich mir nicht an. Ich warte lieber geduldig auf die nächste unangenehme Überraschung, die mein Körper parat hält und dann vergesse ich eh diesen Lagerungsschwindel ernst zu nehmen. Wahrscheinlich haben wir uns bis dahin schon angefreundet. 
Und diese Kügelchen im Ohr –die liegen weiterhin durcheinandergewürfelt da. Orientierungslos, wie sie sind, finden sie leider , nicht wie ich, wieder zurück in ihr eigenes Bett. Da könnte ich meinen Kopf noch so oft gegen die Wand schlagen.😁





2.7.25

Seelentausch


Der Zufall blickt aus meinem Fenster,
hängt sich an die Fersen
der Frau gegenüber.
Ich, in ihren Schuhen,
gehe an ihr vorbei,
sorglos wie nie,
dahin wo ich ihr nie mehr
begegnen werde.
Und sie schaut mir
aus meinem Fenster nach
mit meiner abgestumpften Trauer,
aus der sie nie erwachen könnte,
wenn ich nicht wieder
in mich zurückkehren würde
hinter meinen Fenster,
in meine Latschen,
die nie weiter kommen 
als unter den Tisch.

Lisa Nicolis

1.7.25

Das verborgene Licht


 
Ach, hätt’ ich wieder Zeit, hätt’ Muße,
mich mal im Inn’ren zu begehn,
da hab ’nen Optimist ich stehn.
Von ihm würd mir
zum frohen Gruße
ein Hauch von Licht herüber weh’n.


© Lisa Nicolis