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27.9.22

Momentaufnahme

Ich stehe mir selbst müd im Wege,
den ich schon gegangen bin.
Die wartenden Brücken und Stege
die hoffe ich nur vor mich hin.
Mein Weg war schon immer recht bleiern.
Die Kraft, wie Ballast, blieb zurück.
Der Tag nun orakelt in Schleiern
von Zukunft, von Hoffnung und Glück.

© Lisa Nicolis

25.9.22

Heute Morgen


Ach, öffne noch nicht deine Augen
und sollt's auch schon morgen sein.
Ist sicherlich wieder ein Heute
mit herbstmorgenklar'n Sonnenschein.
Ein bisschen noch innenwärts weilen,
 schlaftrunken in mir, ganz allein…
Doch's Leben ruft, hallo, beweg dich , 
gelebt und erlebt möcht ich  sein.

Das Böse taucht eh täglich später
als Nachricht erst auf und dann ein.

© Lisa Nicolis

 

18.9.22

September

 

Wolken streu'n
ihr helles Grau
in das Blau.
Leise bringt ein frischer Wind
Erdgeruch. Die Farben sind,
wo noch scheu 'ne Rose blüht,
drin im Grün schon herbstversprüht.
Alles welkt devot, in Ruh,
einem kalten Winter zu.

© Lisa Nicolis

17.9.22

Der Herbst


Sonnenverloren, windgeboren, 
wolkenergraut, urvertraut
setzt der Herbst sich in alles Sein.
Schließt die Fenster, will trotzdem rein,
um auch in unsrer Seele zu sein.
Regenbenetzt, rostlaubigzerfetzt,
launig und frisch 
deckt er reichlich den Tisch. 
Fruchterntebereit, nach Vollsonnenzeit,
wird bedacht und versiert
blattgoldemailliert,
in herbstgoldnen Schalen serviert.

©Lisa Nicolis

3.9.22

Herbstgedanken

 



Jetzt gehst du, Sommer, nimmst auch deine Schwüle.
Das tut so gut, wenn ich auch Abschiedsschmerz erfühle.
Paar Sommer gibt's vielleicht noch zu erleben,
doch dich wird’s für uns so nie wieder geben.

Schon langt der Herbst hinein in Busch und Bäume,
entfärbt dein Farbenbunt, webt seine Träume
hinein in all das Treiben dieser Tage.
Willkommen Herbst! Werd‘ nicht auch du zur Plage.

© Lisa Nicolis

20.8.22

Augustmorgen in Berlin

Zum offnen Fenster rein,
zerstäubt ganz fein,
strömt, morgenkühl,
ein Ozean.

Oder sind's Tränen,
Schweiß gar,
simultan?

Ist es ein Binnenmeer
aus Tau?
Entglitt ein Bausch
dem Wolkenstau?

Egal,
ich reiß mich täglich
an den Riemen.
Atmen ist schwer.
Ich bräuchte dringend 
Kiemen.

 
© Lisa Nicolis

 

9.8.22

Der Wind, der keinen Regen bringt

Aus den Bäumen
winkt der Wind, und er winkt,
und winkt, und winkt. Müd sein Seufzen,
abendblind, straßenweit im Nichts versinkt.
Drin im Durst des Baums, bei all
dem Winken,
droht der
Traum
nach
Regen
zu ertrinken.

© Lisa Nicolis

 

4.8.22

Sommer


Ich musste für mein Wachsein nichts mehr tun, 
die Nacht hat alle Träume fortgefegt.
Sie scheint alleine in sich selbst  zu ruhn 
und hat sich dampfend auf die Welt gelegt.

Nun wachen alle Sterne mit im All
und die Geräusche, die die Stille macht.
Vielleicht ist’s nur der Sinne dumpfer Hall,
vielleicht ein Hauch der schwülen Sommernacht.

Hör ich das Rauschen meines Blutes nur?
Pickt leis die Uhr aus meiner Umlaufzeit?
Die Stunden hängen gnadenlos, obskur
in dieser ungewissen Ewigkeit.

© Lisa Nicolis

11.7.22

Menschenmüde


Kleinschlafen möchte ich mich,
blattgrün mich betten,
unter Baumgreisen mich verstecken
und erdennah die jungen Düfte
sommerlang atmen.

Fernschlafen möchte ich,
menschenfern mich verliegen
unter schattigen Armen,
wenn auch nur sonnenlang,
vielleicht nur noch heute.
 

 
©Lisa Nicolis (1995)

7.7.22

Blick in den Spiegel

der Himmel unter meinen Füßen ist tief
in seinem Blau sind die Sterne versunken
ein Boot flattert vorüber
die Ruder greifen wie Flügel
nach den Wolken und
es ist Stille

ein Kleiber trällert
über der Brücke
der Himmel steigt aus dem Wasser
wölbt sich über mich und dem Boot
das in der Ferne
im blauen Spiegelbild verblasst
 
© Lisa Nicolis
 

6.7.22

Wo sind nun die Tauben hin


Weiße Tauben, weiße Tauben
sollen uns den Frieden grüßen.
Wenn die bösen Männer bloß nicht
sie uns kalt vom Himmel schießen.
Während Kinder, Frauen darben,
trägt die Welt des Kriegsgelüsters
Wunden, Narben.

Lisa Nicolis

5.7.22

Guten Tag!

Flügel, die
im Morgen kreisten,
Duft von wilden
Kräutern stahlen,
 
Tauperlen,
von weitgereisten
Sonnengrüßen
bunt bemalen,
 
und ein Tag
auf leichten Füßen
mögen heute
dich begrüßen.
 

©Lisa Nicolis