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2.7.23

Gegooglete Heimat


Wild verwachs’ne Wassergräben,

schiefe Zäune, altes Haus

all das wollt ich nochmals leben,

zieh mit Google Maps hinaus.

Freue mich der blum’gen Wiesen

vom Akazienwald gesäumt,

blühender Kastanienriesen

-all das 50 Jahr’ versäumt.

Will noch sehn die wilden Rosen,

Schafgarben am Wegesrand

und der Kindheit wolkenlosen

Himmel. Nehm’ die Maus zur Hand.

So, jetzt flieg ich mausgesteuert

über'm Kindheitsboden hin,

neugierig verabenteuert,

bis ich dann gelandet bin.

***

Betonierte Wassergräben,

Zäune, gusseisern und kalt,

Straßen- ein Asphaltverweben,

keins der Häuser ist noch alt.

Und der Sumpf am Dorfes Rande,

gänseblumig reich umsäumt???

-Oh, ich steh verlor’n im Lande.

Das hab ich mir nie erträumt.

Meine schönen Kindestage

brechen schmerzlich weg im Nu,

Schönes, das ich in mir trage

betoniert mir Google zu.

Das Vergang’ne ist Atlantis

in der Zeiten Ozean.

Die gegooglete Erkenntnis

fühlt sich nicht nach Heimat an.

© Lisa Nicolis

5 Kommentare:

  1. Liebe Lisa,die Erinnerung bleibt dir erhalten,auch wenn sich die Realität verändert hat und dich recht traurig stimmt ,so kann dir niemand deine Gedanken zupflastern oder betonieren. Hab noch einen angenehmen Sonntagnachmittag.
    LG von mir

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  2. Ja, liebe Sieghild, du hast schon Recht. Traurig ist es, dass man nirgends mehr zu Hause ist, als in sich selbst. Liebe Grüße an dich zurück von Lisa

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  3. Es ist erstaunlich liebe Lisa, wie sich die Anblicke die man gewohnt war,
    manchmal so schnell verändern. Man ist irgendwie ein stückweit enttäuscht, dass das "Alte" nicht mehr lebt. Ein kleines Stück des Lebens wird aus dem Herzen gerissen...Aber nichts, aber auch gar nichts kann zumindest die Erinnerung zerstören!
    Fühle dich lieb umarmt von mir, in Verbundenheit, Karin

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  4. Liebe Karin, danke für deine Worte.
    Als wir, als Rumänien noch nicht zur EU gehörte, das letzte Mal auf Besuch waren, war alles noch so, wie wir es verlassen hatten. Doch viele der alten und älteren Leute waren verstorben, die Kinder waren erwachsen, man erkannte sie kaum und neue Nachbarn wohnten in der Straße. Da merkte ich erstmals, dass Heimat eigentlich die Menschen waren. Unser Haus, das zu den größten im Umkreis zählte, erschien mir kleiner, als ich es in Erinnerung hatte. Vor den Häusern gab es keine Bäume, keine Blumen mehr, alles war zu betoniert und die Gärten, die zwischen den Häusern Luft zum Atmen brachten, wurden zugebaut mit neuen Häusern. Das war mein Wohnort 30 Jahre lang und mein Geburtsort war überhaupt nicht mehr zu erkennen.
    Und jetzt auf Google scheint alles, trotz der vielen Investitionen von Außen, und Kaisers und Lidl und den Malls nicht mehr zu dem zu gehören, das Heimat war. Die Veränderungen sind zu drastisch für mich. Nicht Warmes, Heimeliges mehr, nur Geldspuren überall. Hier waltet der Mensch. Die Natur und selbst die Natur des Menschen hat sich verändert.
    Liebe Grüße und hab eine schöne Woche, wünscht Lisa

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  5. Ich wollte noch zu meinen Kommentaren und Geschichten hinzufügen, dass ich nicht klage, nicht anklage und nicht jammere, sondern einfach erzähle. Man muss die Dinge annehmen, wie sie sind. Sie sind Teil der Geschichte der Menschen, die keine Ruhe hat und sich immer weiter entwickelt, ob es dem Einzelnen gefällt oder nicht.

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Danke für das Fünkchen Zeit, das du mir geschenkt hast!